Kürzlich sind wieder in verschiedenen Disziplinen die Gewinner des Nobelpreises bekannt gemacht worden – unter anderem für den Bereich Medizin. Schon in biblischen Zeiten gab es aber ein Heilmittel, über das selbst die diesjährigen Nobelpreisträger der Medizin nicht schlecht gestaunt hätten: Auf einen Schlag Blindheit heilen und Menschen vor dem Tod retten – ohne Dutzende Medikamente mit komplizierten Behandlungsmethoden, sondern mit einem simplen Fisch (Tobit, 4-12)! Aber von vorn:

Tobit lebte mit seinem Sohn Tobias in der Stadt Ninive. Weil er sich regelmäßig mit dem König anlegte (er zeigte einfach zuviel Mitleid mit den vom König verfolgten Israeliten) schaffte er zur Sicherheit einen Teil seines Vermögens zu einem Verwandten in die Stadt Medien. Als Tobit erblindete und dadurch in eine Notlage geriet, schickte er Tobias auf die Reise von Ninive nach Medien um das Geld wieder zu holen. Bei der Suche nach einer passenden Reisebegleitung trafen sie zufällig auf den Engel Rafael und beide machten sich auf den Weg nach Medien. Unterwegs kamen sie am Fluss Tigris vorbei. Gerade als Tobias an den Fluss ging, schoss ein Fisch aus dem Wasser. „Pack ihn!“, rief Rafael vom Ufer aus und mit einem beherzten Griff wurde der Fisch ans Trockene befördert. Bevor sie sich den Fisch zum Abendessen schmecken ließen, riet der Engel Tobias, den Fisch aufzuschneiden, dann Herz, Leber und Galle herauszunehmen und aufzubewahren. Zwischendurch machten sie Halt bei Raguёl, einem weiteren Verwandten von Tobit. Raguёl fand Gefallen an Tobias und wollte ihm seine Tochter Sara zur Frau geben (in der Bibel geht sowas immer sehr fix…). Wenn da nicht ein Haken gewesen wäre: Sara war zwar schon einige Male verheiratet gewesen, wies aber einen eklatant hohen Verschleiß an Bräutigamen auf, weil ihre Frischangetrauten jedes Mal in der Hochzeitsnacht tot umfielen. Grund war ein eifersüchtiger Dämon, der Sara keine Ruhe ließ und jeden ihrer Männer tötete. Jetzt kamen die aufbewahrten Fischinnereien zum Einsatz: Vor der Hochzeitsnacht verbrannte Tobias Herz und Leber des Fisches. Der dabei entstandene Rauch wehrte den Dämon ab und verjagte ihn für immer, sodass Tobias überlebte, Sara befreit war und dem gemeinsamen Leben nichts mehr im Wege stand. Mit neuer Frau und reichlich Geld (inzwischen hatte Tobias Rafael geschickt, um das Vermögen für ihn aus Medien zu holen) kam Tobias wieder zu seinem Vater nach Hause, der ihn schon sehnsüchtig erwartet hatte. Jetzt fand auch die Fischgalle Verwendung. Mit ihr wurden Tobits Augen bestrichen – und sofort konnte er wieder sehen!

So eine Wunderheilung, das könnten die Ärzte und Forscher heute wahrscheinlich auch gerne. Aber ob die Nobelpreisjury darüber so erfreut wäre, wenn sich ihre Preisträger solcher Methoden bedienen könnten? Hilfe von oben gilt im freien Wettbewerb wohl als geschummelt… Also lieber selber forschen!

Abbildung: Gaspar de Crayer, „Tobias und der Engel“, vermutlich in den 1620ern entstanden; Fotowerkstatt HAUM

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