Die Neueröffnung unseres Museums steht unter dem Motto: Verführung garantiert. Und was steht am Anfang jeder gelungenen Verführung? Natürlich die Wahl der richtigen Waffen. Der geschickteste Umgang mit der Waffe, der wir uns heute in der Kategorie  „Museum Backstage“ widmen, wird in der Regel den Damen der Schöpfung nachgesagt – Christo und Karl Lagerfeld mögen uns verzeihen. Es geht um: Stoff. Genauer gesagt, um exklusiv für uns produzierten Stoff der Brandschutzklasse C1. Als eines von ganz wenigen Museen in Deutschland setzen wir nämlich in unserer neuen Gemäldegalerie wieder auf Wandbespannungen. Und zwar aus demselben Grund, der Frauen auf Verführungs-Kurs stundenlang vor dem Spiegel Outfits ausprobieren lässt: Es geht darum, durch eine optimale Verpackung die Verführerin unwiderstehlich zu machen. Die Verführerinnen, die wir ins Feld schicken, um unsere zukünftigen Besucher zu bezirzen, sind unsere Kunstwerke. Logisch, dass wir alles daran setzen, sie möglichst gut aussehen zu lassen.

Genauso wie es nicht „das“ Kleidungsstück gibt, das jede Frau gut aussehen lässt, müssen auch unsere Kunstwerke individuell betrachtet werden. Darüber hinaus dürfen auch die konservatorischen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. Im Fall der neuen Gemäldegalerie führte das zu der Entscheidung, die Wände mit einer textilen Bespannung auszustatten, auch wenn es mit hohen Kosten verbunden ist. Aber da wir uns selbst die Latte hoch gelegt haben – wir wollen mit unserem neueröffneten Museum die Menschen zum Kunstgenuss verführen – war eine Wandbespannung für die Gemälde die beste Wahl. Ästhetisch ist das bei einer Altmeister-Sammlung ohnehin keine Frage: Die feine, ebenmäßige Struktur eines Stoffes ist der optimale Hintergrund für diese kostbaren Gemälde. Die Stoffoberfläche schluckt Licht, sie tritt optisch zurück und wirkt „duffer“ als ein Farbanstrich, der immer in einem gewissen Maß reflektiert. Die Stars einer Gemäldegalerie sind schließlich die Gemälde, nicht die Wände.

Aber auch konservatorisch hat eine Wandbespannung unschlagbare Vorteile. Zum Beispiel beim Thema Klima: In einem Museum mit so enorm wertvollen Beständen alter Kunst ist ein stabiles Klima, sowohl in Bezug auf die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit, ein kritischer Faktor für die Erhaltung der Werke. Der offene Charakter einer Gemäldegalerie bringt mit sich, dass die Werke direkt dem Raumklima ausgesetzt sind und nicht in Vitrinen ausgestellt werden können, in denen man ein Micro-Klima schaffen kann.  Eine Wandbespannung wirkt wie ein Klimapuffer, der dreiteilige Aufbau aus Holzverkleidung, Molton und Oberstoff kann Feuchtigkeit speichern und gibt sie langsamer wieder ab – eine Wand aus Stein kann das nicht leisten.

Nicht zuletzt hat eine Wandbespannung auch auf die Akkustik von Räumen einen positiven Effekt: Die Holz- und Stoffschichten schlucken Schall, der sich in unseren meterhohen Oberlichtsälen zu einem unangenehmen Störfaktor auswachsen kann, insbesondere bei Veranstaltungen.

Für uns beginnt jetzt das Warten auf Ihr erstes Date mit unserer neuen Gemäldegalerie – wir sind gespannt, ob wir das Outfit gut gewählt haben …

 

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Und so wird es aussehen: die ersten Bahnen der Bespannung hängen

 

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