Merci, Napoleon – oder: Vom Beginn einer deutsch-französischen Freundschaft. Die zweite große Sonderausstellung nach der Neueröffnung im Oktober 2016 führt zurück in die ereignisreiche Geschichte des Museums. Die Sonderschau „Porcelaine royale. Napoleons Bedeutung für Sèvres und Fürstenberg“ beleuchtet die Zeit, als Napoleons Beutezug durch Europa den Grundstein für einen künstlerischen und kulturellen Austausch zwischen Frankreich und Deutschland, genauer der Porzellanmanufakturen Sèvres und Fürstenberg, legte. Vom 7. September bis zum 10. Dezember erzählen kostbare Tafelgeschirre, vielfältige Gebrauchsporzellane, edle Biskuitbüsten, Gemälde und Archivalien darüber hinaus davon, wie durch Napoleon der Grundstein der Porzellansammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums gelegt wurde.

Als nach den verlorenen Schlachten von 1806 Napoleon die europäische Landkarte neu sortierte und das Königreich Westphalen unter seinem Bruder Jerome gründete, endete  – vorübergehend, wie sich später zeigen sollte – auch die Existenz des Herzogtums Braunschweig. Napoleons Pläne für ein Universalmuseum im Louvre in Paris führten zu umfangreichen Beschlagnahmungen in den exquisiten fürstlichen Sammlungen in den besetzten Gebieten, unter anderem im Herzog Anton Ulrich-Museum. Aber auch die fürstliche Porzellanmanufaktur Fürstenberg, 1747 im Auftrag Herzogs Carl I. von Braunschweig-Lüneburg gegründet, musste Federn lassen. Umfangreiche Warenmuster und Materialproben mussten von Fürstenberg zur französischen Kaiserlichen Manufaktur Sèvres (bei Paris) geschickt werden, die dieses Material sowie Warenmuster aus anderen deutschen Manufakturen zur Verbesserung ihrer Produkte nutzte. Fürstenberg stand darüber hinaus vor der Herausforderung, angesichts der neuen französischen Machthaber den Fortbestand der Manufaktur zu sichern. Französische Produkte, die den Geschmack der neuen Regierung trafen, wurden steuerfrei eingeführt, sorgfältige Prüfungen bestehender Betriebe führten nicht selten zu einer Schließung oder Verpachtung. Vor diesem Hintergrund befasste sich der Direktor der Manufaktur intensiv mit französischen Rezepturen und ließ sich von Formen und Dekoren des „style Empire“ inspirieren. Mit großem Erfolg: Fürstenberg wurde schließlich von König Jerome zur Manufacture royale erhoben.

Mit der Niederlage Napoleons bei Waterloo endete im Jahr 1815 die intensive Wechselbeziehung zwischen Sèvres und Fürstenberg. Der Großteil der von Napoleon erbeuteten Kunstwerke kehrte zu den ursprünglichen Besitzern zurück, auch das Fürstenberg-Porzellan kam zurück – allerdings nicht nach Fürstenberg, sondern ins Herzog Anton Ulrich-Museum nach Braunschweig, schlicht und einfach weil der damalige Museumsdirektor die Verhandlungen für die Rückführung der braunschweigischen Kunstwerke führte. Einvernehmlich wurde bei den Verhandlungen entschieden, dass bestimmte Stücke in Sèvres verbleiben und als Ersatz dafür ausgewählte Sèvres-Stücke nach Braunschweig gegeben werden sollten. Damit war der Grundstein der heutigen umfangreichen Porzellan-Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums gelegt.

Die Geschichte dieser Anfänge und der Beziehungen zwischen Sévres und Fürstenberg wird nun erstmals im Rahmen einer Sonderausstellung thematisiert. Präsentiert werden ca. rund 140 Exponate – von Tafelgeschirr über Büsten und Gemälde bis hin zu persönlichen Briefen – aus deutschen Sammlungen sowie von privaten und internationalen Leihgebern, darunter die Cité de la Céramique in Sèvres oder die Fondation Napoléon in Paris. Die historische Situation wird mittels relevanter Dokumente und Darstellungen bedeutender Protagonisten vermittelt.

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