Die Eltern feiern Silberhochzeit, Opa Rudi wird 80 oder die Einschulung ihres Patenkindes steht kurz bevor? Dann werden Sie dieses Familienereignis für die Nachwelt festhalten wollen. Jedoch hat sich sicherlich auch bei Ihnen über die Jahre eine Routine beim Arrangement von Familienfotos eingestellt, oder? Die Personen-Konstellationen und Örtlichkeiten sind auf allen Gruppenfotos sehr ähnlich und der Platz neben jener Tante, die sich stets in eine Wolke aus Chanel No. 5 hüllt, bleibt meistens leer. Diese immergleichen Fotoszenarien können auf Dauer ganz schön langweilig werden, daher geben wir Ihnen im heutigen „How to impress…“-Beitrag einen Tipp für die nächste Familienfeier: Beeindrucken Sie doch beim Treffen Ihrer lieben Verwandten, indem sie das obligatorische Gruppenfoto ähnlich wie das „Familienbild“ des flämischen Malers Cornelis de Vos (um 1618) inszenieren. So verleihen Sie einer unscheinbaren Szene eine symbolhafte Bedeutungsebene. Erreichen Sie also bei der nächsten Feier den Punkt, wo sich alle für ein Gruppenfoto aufstellen möchten, dann lenken Sie die Aufmerksamkeit auf sich und formulieren den Vorschlag in etwa so:

„ Liebe Familie, die ewig gleichen Fotokompositionen langeweilen mich! Wenn ich an ein gelungenes Familienfoto denke, kommen mir sofort die wunderbaren Porträts alter flämischer Meister in den Sinn – wie zum Beispiel das „Familienbild“ von Cornelis de Vos, der Anfang des 17. Jahrhunderts für seine Bildnisse berühmt war. Besonders faszinierend ist die Tatsache, dass sich hinter seinen Porträt-Arrangements durch die Einbeziehung von Alltagsgegenständen unterschwellige Botschaften versteckt haben. Öffnet Eure Schmuckschatullen, greift Euch den Kochlöffel oder das iPhone und lasst uns ein denkwürdiges Familienfoto im Stil flämischer Meister kreieren!“

Damit Sie aus dem Effeff das „Familienbild“ von Cornelis de Vos in seiner Bildsprache auflösen können, haben wir Ihnen hier die wichtigsten Fakten und Tipps zur eigenen Umsetzung zusammengetragen: Auf dem Gemälde zeigt uns der Künstler eine unbekannte, flämische Familie bestehend aus einem Elternpaar und acht Kindern. Die Inszenierung ist einfach, aber wirkungsvoll. Sie können das Arrangement wunderbar als Vorlage für ihre eigene Fotografie verwenden. Die Eltern sitzen als einzige der dargestellten Personen auf Lehnstühlen und halten ein paar Handschuhe in ihren Händen. Diese Präsentation hebt die beiden automatisch vom Rest der Familie ab und die Handschuhe lassen darauf schließen, dass die Familie gut situiert ist. Diese Nachstellung gelingt auf Ihrem privaten Familienfoto am besten im Fernseh- oder Ohrensessel und die Handschuhe könnten Sie doch durch eins für Ihre Familie typisches Accessoire ersetzen. Kochen Sie beispielsweise gerne? Oder stammen Sie aus einer handwerklich begabten Familie? Hier können Sie Haushaltsobjekte zur Hervorhebung von ausgewählten Familienmitgliedern wählen, die sie am besten charakterisieren. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Auf dem Gemälde erkennen wir weiter, dass die dargestellten Eltern mit Ihrer Kinderschar um ein Spinett (ein Tasteninstrument, das dem Cemballo ähnlich ist) drapiert wurden. Eine der Töchter spielt dieses Instrument und blickt dabei den Betrachter unmittelbar an. Das gemeinsame Musizieren kann man als bildhaften Ausdruck für Harmonie und Liebe unter den Dargestellten deuten. Wollen auch Sie diese Aussage erzielen, dann halten Sie sich in diesem Fall sehr eng an die Vorlage. Sollten Sie nicht im Besitz eines echten Tasteninstruments sein, haben womöglich Ihre Nichten oder Neffen ein Keyboard zur Verfügung, das Sie bedeutungsvoll in die Mitte des Fotos positionieren können, während alle Beteiligten drumherum sitzen.

Das jüngste Kind auf dem Gemälde, das im Vordergrund steht und den Blick zur Mutter sucht, trägt auffälligen Korallenschmuck, der dem damaligen Volksglauben nach Unheil abwenden konnte. In der linken Hand hält das Kind zudem einen Johannisbeerzweig, der wahrscheinlich als Sinnbild der Reinheit und Fruchtbarkeit in der Ehe gedeutet werden kann. Korallenschmuck ist besonders bei den älteren Damen beliebt, weswegen Sie die Schmuckschatulle der lieben Verwandten über 50 sorgsam prüfen sollten. Anstelle von Korallenschmuck bietet sich übrigens auch der Schmuckstein Türkis zur Abwehr unheilvollen Ereignissen an.
Je nach Wohnsituation und Jahreszeit könnte sich die Einbeziehung eines Johannisbeerzweiges als schwierig erweisen. Um die Aussagekraft von „Reinheit und/oder Fruchtbarkeit“ zu erzielen, kann auch eine Lilie herhalten, die Sie aus dem mitgebrachten Blumenstrauß für Ihre Mutter praktischerweise rauszupfen können. Finden Sie die  Attribute jedoch für Ihre Familie nicht zutreffend, können Sie natürlich andere Pflanzen wählen. Ist der Anlass des Familienfotos beispielsweise eine Hochzeit, sind u.a. Efeu und Myrte als Symbole für eine glückliche Ehe angebracht. Möchten Sie einen brodelnden Familienzwist nach außen tragen, raten wir zu einem Kaktus, den Sie dann einem unliebsamen Verwandten in die Hand drücken können.

Wir wünschen viel Spaß beim Arrangement der nächsten Familienfotos!

 

Abbildung: Cornelis de Vos: Familienbild, um 1618, Fotowerkstatt HAUM

 

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.