Im Herbst 2016 wird das Herzog Anton Ulrich-Museum wieder geöffnet – und bis dahin herrscht auch in den Restaurierungswerkstätten Hochbetrieb, zum Beispiel wenn es um Arbeiten an der ethnologischen Sammlung geht, welche islamische, afrikanische oder südamerikanische Kunst wie beispielsweise Gefäße, Figuren und vieles mehr umfasst. Erst kürzlich wurde der Teil dieser Sammlung, der auch in der Neueinrichtung zu sehen sein wird, einer gründlichen Sichtung unterzogen. Wenn es um die Pflege und Bewahrung der wertvollen Kunstgegenstände geht, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Wie sehen die Objekte momentan aus – müssen sie gereinigt werden, reicht eine Abnahme der sich ständig anlagernden Staubschicht? Oder gibt es Fehlstellen, die eine Ergänzung erfordern? Wie werden diese Ergänzungen angefügt? Herfür können verschiedene Klebstoffe wie beispielsweise Akrylharz zum Einsatz kommen. Wichtig ist jedoch, dass alle Eingriffe reversibel sind, also später wieder rückgängig gemacht werden können. Damit das Akrylharz nicht über die Bruchkante auf die Originaloberfläche gelangt, benötigt man Hausenblasenleim, mit dem man ein Verlaufen des Harzes verhindern kann (wer nicht weiß, was sich hinter letzterem Material verbirgt, kann das hier nachschauen).

IMG_2337k_640x520px

Eines der in diesem Zusammenhang restaurierten Objekte ist ein ganz spezieller Kunstgegenstand, den wir hier gerne vorstellen möchten: ein mexikanischer Handkühler aus dem 17./18. Jahrhundert. Das Keramikgefäß wurde früher mit Wasser gefüllt, das in den Ton eindrang, sodass der Handkühler eine an heißen Tagen angenehme Verdunstungskälte abgab. Zwei aus diesem Kühler herausgebrochene Scherben waren im Gefäß entdeckt worden. Jetzt bot sich jetzt die Möglichkeit, eine frühere, gealterte Restaurierung aus Gips zu entfernen, um die originalen Scherben, wieder einzupassen – einerseits, um das Objekt der Besucherin bzw. dem Besucher orginalgetreu präsentieren zu können und andererseits, um die Scherben für die Zukunft sicher zu erhalten. Die weiteren noch vorhandenen Fehlstellen wurden mit einem eingefärbten Gips-Methylcellulose-Gemisch ergänzt. Das i-Tüpfelchen bildete zum Schluss ein eingefärbtes mikrokristallines Wachs (Wachs mit Farbpigmenten), das aufgetragen wurde, um die Ergänzung möglichst dem Original anzupassen und den Glanz der Originaloberfläche zu imitieren.

Aber egal welche Variante man zur Restaurierung nutzt: Unsere Kolleginnen und Kollegen sind mit Herzblut dabei! Das Ergebnis dieser Arbeiten könnt ihr schon in ein paar Monaten selbst unter die Lupe nehmen, wenn das Herzog Anton Ulrich-Museum seine Pforten wieder öffnet.

 

Mexikanischer Handkühler aus dem 17./18. Jahrhundert während der Restaurierung. oben: Handkühler nach der Anpassung der Originalscherben; unten: Handkühler kurz vor der Wachsauflage. Fotos: BLM, HAUM

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.