So lautet ein Motto der Gemälderestauratorinnen im Herzog Anton Ulrich-Museum, denn: nicht nur die Vorderseiten der Kunstwerke müssen konservatorisch betreut und teilweise auch restauriert werden, sondern auch die Rückseiten der Gemälde stehen im Zentrum der Arbeit. Bevor die Gemälde neu gehängt werden, nutzen die Restauratorinnen die Gelegenheit, die Bilder rundherum noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen. Nicht nur die Malerei auf der Ansichtsseite der Werke wird von unseren Fachfrauen begutachtet, sondern auch die Rückseiten werden genauestens unter die Lupe genommen. Die Bildträger können aus den verschiedensten Materialien bestehen. Neben Holztafeln, die vor allem im Mittelalter und in der frühen Neuzeit verbreitet waren, wurden Gemälde auch auf Kupfertafeln gemalt (in seltenen Fällen auch auf Eisen- oder Zinntafeln). Seit dem 17. Jahrhundert wurde das Malen auf Leinwänden üblich. Leinwand ist aber nicht gleich Leinwand, neben den gängigen Leinengeweben aus Flachs gibt es Mischgewebe aus Leinen und Hanf, manchmal diente sogar Seide als Bildträger.

Gemälde-Rückseiten liefern wichtige Hinweise über vorangegangene Restaurierungen. Es zeigen sich Formatänderungen oder Fraßgänge von Holzschädlingen, dem sog. Anobienbefall oder auch Doublierungen, also das Aufleimen einer zweiten Leinwand zur Unterstützung des Originalgewebes. Auch ehemalige Aufbewahrungsorte lassen sich manchmal anhand von Etiketten und Beschriftungen ermitteln. All das wird noch einmal ausführlich dokumentiert bevor die Werke in die Dauerausstellung kommen.

Im Rahmen der Neueinrichtung werden alle Gemälde mit einer neuen Hängevorrichtung ausgestattet, die dem technisch aktuellen Stand entspricht und zukünftig eine genaue Feinjustierung der Bilder auf der Wand einfacher macht. Und so schrauben die Gemälderestauratorinnen was das Zeug hält: Bei rund 320 Gemälden bedeutet das 640 neue Aufhängungen und ca. 1300 Schrauben. Enorme Gewichte müssen dazu zwischen Depot und Werkstätten bewegt werden. Unser schwerstes Bild in der neuen Dauerausstellung ist mit 119 Kilogramm das Werk von Willem Key „Mars und Venus, von Vulkan überrascht“, aber auch viele andere Großformate bringen oft an die 100 Kilogramm auf die Waage.

Zusätzlich zu den neuen Aufhängungen werden alle Rückseiten noch mit einem Rückseitenschutz aus speziellem säurefreiem Museumskarton ausgestattet. Dieser bietet einen Schutz gegen mechanische Beschädigungen, gegen Schmutz und auch gegen Klimaschwankungen. Für besonders empfindliche Kunstwerke wird sogar eine Klimabox gebaut, die zusammen mit der Verglasung die schädlichen Umwelteinflüsse weitgehend abschottet.
So ausgerüstet stehen die Kunstwerke in den Startlöchern, um in der neuen Galerie ihren Platz zu beziehen.

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