Wahre Schönheit kommt von innen? Nicht unbedingt, wenn es um unsere Kunst geht! Dafür werfen unsere RestauratorInnen und WissenschaftlerInnen gnadenlos jede noch so tugendhafte Überzeugung über Bord. Grund dafür sind natürlich unsere zukünftigen Besucherinnen und Besucher, die zur Wiedereröffnung rund 4000 Kunstwerke in ganzer Pracht erleben möchten – eben Kunstgenuss auf höchstem Niveau. Um das zu bewerkstelligen, arbeiten unsere Restauratorinnen seit einiger Zeit mit Hochdruck daran, der Kunst den perfekten Look zu verleihen. Schließlich ist die Vielzahl der Objekte mehrere hundert Jahre alt und ähnlich wie die menschliche Schönheit, bleibt auch für unsere Kunst die Zeit nicht stehen. Während unsereins womöglich mit Creme-Tiegeln gegen erste Alterserscheinungen ankämpft, gibt es in der Restaurierung ganz eigene Beauty-Methoden. Richtig aufwendig wird es dann, wenn Kunstobjekte nicht nur minutiös gereinigt werden, sondern ein richtiges Make-Over ansteht und Ergänzungen angefertigt werden müssen.

Ein Beispiel dafür ist eine halbkugelige Majolika-Schale aus Pisa, die ins ausgehende 16. Jahrhundert datiert wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Majolikagefäßen ist die Verzierung in ihrer Farbigkeit bei dem Objekt reduzierter. Die Innenseite zeigt Grotesken mit fantasiereichen Mischwesen, Delphinen, Vögeln, Schnecken, Fackeln, Käfern und Draperien, die sich nahezu symmetrisch um ein Leuchtermotiv anordnen. Bemalt ist die flachfüßige Schale in den für Majolika typischen Farben: Gelb, Orange, Blau, Grün, Manganviolett mit orangefarbenen und violetten Konturen.

 

Museumsfoto: Claus Cordes
Museumsfoto: Claus Cordes

Einer der beiden Schlangenhenkel, ein Stück der Wandung und die Innenseite der Lippe rechts wurde bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts restauriert. Da diese Holz-Ergänzungen leider in ihrer Beschaffenheit und Materialität nicht mehr für den perfekten Look sorgen, haben wir kurzerhand eine neue Rekonstruktion für unsere Pisaner Schale angefertigt. Statt Holz wird nun Hartgips für eine authentische Nachbildung verwendet. Mittels einer Abformmasse aus Silikon wurde dabei zunächst die Form des zu ersetzenden Stückes bestimmt, bevor der Hartgips passgenau angefertigt und eingesetzt wurde. Besonders kniffelig war die Nachbildung des Schlangenhenkels: Um hier eine am original stark angelehnte Form zu erhalten, hat unsere Restauratorin wirklich Fingerspitzengefühl bewiesen. Nachdem die Ergänzungen an den entsprechenden Stellen eingesetzt wurden, trocknete der Hartgips für etwa 2 bis 3 Stunden. Anschließend wurde dann die Bemalung aufgetragen, die derjenigen am originalen Henkel natürlich nachempfunden ist.
Et voilà: Nun erstrahlt unsere Pisaner Schale in neuer Schönheit und ist bereit für ihren Auftritt in unserer Majolika-Vitrine.

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