Sagenumwobene weiße Elefanten sind vor allem aus den südostasiatischen Ländern Thailand, Laos, Myanmar und Birma bekannt. Die Bedeutung dieser besonderen Tiere, die tatsächlich aufgrund einer biologischen Anomalie gewisse Merkmale aufweisen, wie sehr helle Haut und rötliche Augen, fusst auf einer buddhistischen Sage, die sich rund um die Geburt des Buddhas Siddharta Gautama rankt: Als eine Art buddhistische „Verkündigung“ ging ein weißer Elefant als himmlisches Wesen auf die Königin Mayadevi, der Mutter Siddhartas nieder, um die Geburt eines reinen und mächtigen Wesens anzukündigen.
Auch in der hinduistischen Theologie kommt den weißen Elefanten eine wichtige Bedeutung zu: als erster Elefant und Reittier des Gottes Indra ist „Airavata“ (so der Name des Tieres) bis heute in zahlreichen Darstellungen als drei- oder mehrköpfiger Elefant verewigt.

Auch heute noch existieren in diesen Ländern bestimmte Regularien, nach denen die unglaublich seltenen Tiere klassifiziert werden können. Wenn sie den Kriterien entsprechen, dann sind sie dem Besitz des Königs vorbehalten.

Was hat das nun alles mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum zu tun? Nein, wir haben keinen trötenden Vierbeiner mit langem Rüssel in unseren Räumen, aber „weiße Elefanten“ der anderen Art: weiße Kabinettschränkchen aus Japan – Kunstobjekte, die aufgrund der Seltenheit (weltweit existieren nur noch vier weiße Lackobjekte!), ihrer asiatischen Herkunft und Farbe von den Restauratoren liebevoll als „weiße Elefanten“ betitelt wurden.

Aktuell wird eines der Objekte behutsam gereinigt und konserviert, damit sich Besucherinnen und Besucher von dem weißen Schränkchen mit einem Hauch von Exotik verzaubern lassen können.

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Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an dem weißen Lackkabinettschränkchen aus dem 17. Jahrhundert.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die „weißen Lacke“ nur in Europa hergestellt wurden. Im Rahmen einer umfangreichen naturwissenschaftlichen Untersuchung und nach einer intensiven Auswertung historischer Quellen konnte belegt werden, dass die Objekte aus Japan importiert wurden. Die Forschung geht davon aus, das die weißen Kunstobjekte, die sich heute in der Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums befinden, neben dem anderen noch erhaltenen weißen Lackobjekte (das in einem dänischen Museum aufbewahrt wird) als Auftragsarbeiten für die „Vereenigde oost-Indische Compagnie“ im 17. Jahrhundert in Japan gefertigt wurden. Vermutlich wurden die Schränkchen als diplomatische Geschenke in Europa weitergegeben.
Bis heute werden die von uns als „weiße Lacke“ bezeichneten Objekte in Japan nicht als japanische Lackarbeiten im klassischen Sinn angesehen. Künstler aus anderen Bereiche schufen die lackähnlichen weißen Oberflächen, die aber nur im weitesten Sinne mit dem traditionellen schwarzen Lack verwandt sind. Der berühmte schwarze japanische Lack hat im getrockneten Zustand eine bräunliche Farbe. Eine rein weiße Oberfläche ist mit dieser Technik nicht zu erreichen.

Titelbild: Vessantara Jataka, Kapitel 2: Kalinga Brahmins bringt den zweiten Elefant, spätes 19. Jahrhundert, Thailand, Walters Art Museum, Baltimore

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