Begriff:
Als apokryph (altgriechisch: ἀπόκρυφος/apokryphos, auf deutsch „verborgen“) bezeichnet man bestimmte Schriftstücke, die unter Theologen in den vergangenen Jahrhunderten für reichlich Zündstoff sorgten und Anlass zu erhitzten Debatten gaben, sodass sie häufig aus den religiösen Schriften ausgeschlossen wurden. Grund dafür konnte sein, dass die Originale nur in Bruchstücken oder gar nicht erhalten bzw. bekannt waren, es sich um neuere Schriften handelte oder sie aus religionspolitischen Gründen nicht anerkannt wurden. Die Begriffsbedeutung geht ursprünglich auf die Gnostiker (eine konträr zur Großkirche stehende religiösen Strömung) zurück, die ihre Lehren vor der Kirche geheim halten wollten und sie deswegen als „verborgen“ („apokryph“) kennzeichneten.

Entstehungsgeschichte:
Angefangen hatte alles mit der Kanonisierung des jüdischen Tanach Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. (das Wort „Kanonisierung“ übrigens hat nichts mit Kanonen und Militär zu tun, sondern bedeutet lediglich, dass sich religiöse Oberhäupter zusammensetzen, um Inhalt und Umfang eines wichtigen Schriftstückes zu diskutieren). Nach vermutlich endlosen Diskussionen hatte man den ursprünglichen Tanach zweigeteilt: den Teil, der anerkannt und weiterhin gelehrt werden sollte, und der Teil, auf den man verzichten wollte. Letztere Schriften bezeichnete man als Apokryphen und fasste sie in der sogenannten Septuaginta zusammen. Daraufhin fingen auch die Christen an, sich ihrerseits die Bibel vorzunehmen und über die Jahrhunderte munter ein- und auszusortieren. Katholiken beschlossen auf dem Konzil von Trient 1546, dass ein Teil dieser jüdischen Apokryphen in ihr Altes Testament übernommen werden sollte, während die Protestanten im Gegensatz dazu mit der jüdischen Definition übereinstimmten und gerade diese Bibelstellen außen vor ließen. Darum sind bestimmte Bibelteile – zum Beispiel die Bücher Judit, Tobit, Jesus Sirach oder Baruch – auch heute noch in der katholischen Bibel enthalten, während sie in der protestantischen Version nicht vorkommen. Was das Neue Testament angeht, waren sich Protestanten und Katholiken dann aber zum Glück einig: Hier wurde alles als „apokryph“ (ergo verzichtbar) bezeichnet, was nicht mit der von 90 bis 150 n. Chr. aufgeschriebenen Schrift der Apostolischen Väter (eine mit erläuternden Kommentaren versehene Lehre der Apostel Jesu) übereinstimmte.

Anknüpfung an die Kunstgeschichte:
Künstler jeder Epoche bedienten sich schon immer gerne der Bibel: Ihre Geschichten, Gleichnisse und Erzählungen fungierten als Inspirationsquelle – was auch für Bibeltexte gilt, die nach späterem protestantischem Verständnis zu den apokryphen Schriften zählten. Ein Bild aus der Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums, das seinen Ursprung in einer solchen apokryphen Bibelstelle hat, wäre zum Beispiel „Tobias und der Engel“. Die entsprechende Bibelgeschichte dazu findet man im Buch Tobit, sowie hier in unserem Blog.

Abbildung: Das sogenannte „Fragment von Akhmim“ in griechischer Sprache, welches Ende des 19. Jahrhunderts im ägyptischen Akhmim gefunden wurde und u.a. Teile des apokryphen Petrusevangeliums und der apokryphen Petrusapokalypse enthält. Foto: Wikimedia Commons

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2 thoughts on “Museums-Wiki: Apokryphe Schriften

  1. Die oft besseren romantischeren, herzzerreißenden und saftigeren Storys finden sich dort…sind zum Teil wunderschöne Erzählungen an denen sich viele Maler orientiert haben.

    1. Die Bibel bietet wirklich eine wahre Fundgrube – siehe unsere Kategorie „Best of Bible“, in der wir die Geschichten hinter den Bibeldarstellungen in der Kunst erzählen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß beim Stöbern in unserem Blog!

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