Begriff: Der französische Begriff „Fayence“ leitet sich von der italienischen Stadt Faenza ab. Es handelt sich um ein keramisches Erzeugnis, das dem Teilbereich der „Majolika“ zugeordnet wird.

Geschichte: Die ersten Fayencen entstanden 500 v. Chr. in Mesopotamien und wurden dann aus dem arabischen Raum nach Spanien importiert, wo sich der Name „Majolika“ formierte. Doch die zinnglasierte Keramik war nicht nur bei den Spaniern beliebt. Ab dem 14. Jahrhundert gründeten sich in mehreren italienischen Städten Produktionszentren, u.a. in der norditalienischen Stadt Faenza. Hier wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine entscheidende Änderung in der Gestaltung vorgenommen: Die üppigen, flächenfüllenden Majolika-Dekore wichen zu Gunsten einer zurückhaltenden, polychrom bemalten oder weiß-blauen Keramik. Diese spezielle Art der Majolika fasst man unter dem Namen Fayence. Ab dem 17. Jahrhundert breitete sich diese Technik von Italien weiter nach ganz Europa aus und stellte eine beliebte Alternative zum schwer erschwinglichen ostasiatischen Porzellan dar. Zahlreiche Produktionsstätten wurden nun auch nördlich der Alpen gegründet. Wichtige Zentren waren vor allem in Frankreich, in den Niederlanden und in Polen angesiedelt. Auch unser Museumsnamensgeber Herzog Anton Ulrich initiierte die Gründung einer ersten Fayencemanufaktur in Braunschweig im Jahre 1707, die rund 100 Jahre Bestand hatte.
Der Umstand, dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Porzellan und Steingut als Gebrauchskeramik in der Produktion immer günstiger wurde, lies die Nachfrage nach Fayencen stark sinken.

Technik: Fayencen werden bis auf die Farbigkeit wie Majolika gestaltet. Sie gehören zur niedriggebrannten Irdenware, deren Scherben ebenfalls von poröser Beschaffenheit ist. Nach einem ersten Brandvorgang wird die Keramik mit einer weißdeckenden Zinnglasur überzogen. Der Auftrag der Scharffeuerfarben (wie z.B. Blau, Grün, Gelb oder Violett) erfolgt im Anschluss daran. Das Dekor wird mit Pinseln auf die ungebrannte Glasur gemalt. In einem weiteren Brand, dem Glasurbrand, sinken die Farben in die Glasur ein (Inglasurmalerei), wodurch eine weiche Zeichnung des Dekors entsteht. In den Niederlanden entwickelte sich eine besondere Fayence. Hier wurde die deckende Zinnglasur nur auf die Schauseite der Keramiken aufgetragen und anschließend bemalt. Danach wurde eine Überzugsglasur (Coperta) aufgesprüht. Der daran anschließende Glasurbrand ließ die Anmutung von durchscheinendem Porzellan entstehen.

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