Ein bekanntes Beispiel für Wachsbildnerei oder Keroplastik sind die Wachsfigurenkabinette, die es auf der ganzen Welt zu bestaunen gibt. Die realistische Darstellung der Personen ist mit dem weichen Material, aus dem sie geschaffen worden sind, zu erklären: dem Wachs.

Begriff: Wachsbildnerei oder Keroplastik (altgriechisch: κέρος / keros, dt: „Wachs“) bezeichnet die Kunst, Objekte aus Wachs zu modellieren, zu gießen oder auch Wachsplastiken herzustellen.

Geschichte: Jahrhundertelang wurde Wachs in erster Linie für die Herstellung von Kerzen und Siegel benutzt. Aber schon in der Antike wurde das weiche Material auch für plastische Arbeiten verwendet: es wurden Totenmasken gefertigt, die auch als Erinnerungsbilder dienten. In der Renaissance entdeckten Künstler diesen Brauch wieder und modellierten Skulpturen aus Wachs.  Mit Hilfe von Wachs und Gips konnten Abgüsse von lebenden Personen erstellt und naturalistische Modelle von menschlichen Körpern und Organen gefertigt werden. Im 17. Jahrhundert nahmen Wachsfiguren auch einen repräsentativen Zweck ein, beispielsweise als Herrscherportraits. Die gängigste Gestaltungsform war zu dieser Zeit jedoch das kleinformatige Portraitrelief, welches oft als Wachsmedaillon in einem kostbaren Gehäuse aufbewahrt wurde. Neben den Portraits wurden immer mehr Reliefs mit mythologischen, biblischen oder historischen Darstellungen geschaffen. Auch das aus Wachs gefertigte „Schauessen“ war seit dem 17. Jahrhundert, neben den kleinformatigen Figuren für Puppenhäuser oder Krippenfiguren sehr beliebt. Als im 18. Jahrhundert die Wachsfigurenkabinette sich immer größerer Beliebtheit erfreuten, wurden Wachsnachbildungen zu kommerziellen Schauobjekten. Das berühmteste Beispiel ist das seit 1833 in London etablierte Madame Tussauds.

Technik: Es gibt zwei Herstellungsarten, die allein oder auch kombiniert angewandt werden können. Das Wachs wird modelliert, dabei werden verschiedene Werkzeuge verwendet: Hände, Finger, Stäbe, Messer und Schaber. Es kann frei modelliert werden oder nur als Überzug eines anderen Materials benutzt werden.

Bei der Gusstechnik wird erwärmtes geschmolzenes Wachs in Formen aus Gips oder Holz gegossen. Um Material zu sparen kann auch ein Hohlguss gefertigt werden, dabei füllt man die Form nicht komplett, sondern gießt Wachs ein, schüttelt die Form vorsichtig und leert das übrig gebliebene Wachs wieder aus.

Abbildung: Höfische Gesellschaft bei Konzert und Tanz, Deutsch, 2. Hälfte des 18. Jahrhundert,
Foto: Fotowerkstatt / Herzog Anton Ulrich-Museum

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