Begriff

Der Begriff „Virginal“ leitet sich einerseits von dem lateinischen Wort „virga“ (dt. „Stab“ oder „Ast“) ab, was sicherlich auf die rechteckige, kastenartige Form zurückzuführen ist. Andererseits ist bei dem Wortursprung auch an den lateinischen Begriff „virgo“ (dt. „Jungfrau“ oder auch „Mädchen“) zu denken. Er bezieht sich zum einen darauf, dass das Instrument überwiegend von jungen Mädchen gespielt wurde. Zum anderen erklingen hohe Töne, die an eine helle Frauenstimme erinnern. Mit klaren Tönen verbindet sich der Gedanke von Reinheit, die traditionell mit „Jungfräulichkeit“ gleichgesetzt wird.

Technik

Virginale gehören der Gruppe der Kielinstrumente an, zu denen auch das Spinett und das Cembalo zählen. Es unterscheidet sich von ihnen durch seine rechteckige Form. Im Unterschied zu Klavieren werden die Saiten nach dem Anschlagen der Taste nicht durch Hämmerchen, sondern mittels eines Zupfmechanismus berührt. Dabei erklingen die Töne, nachdem ein dornenförmiger Kiel – früher aus einer Vogelfeder gefertigt – die Saite angerissen hat.

Wegen ihrer Größe konnten Virginale leicht mitgenommen und beispielsweise in der Natur gespielt werden. Sie waren bis in das 18. Jahrhundert hinein eines der wichtigsten besaiteten Tasteninstrumente.

Geschichte

Nachdem die ersten Virginale zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Italien gebaut worden waren, entwickelten sie sich auch im Norden zu beliebten Tasteninstrumenten der Renaissance und des Barock. Besonders in niederländischen Werkstätten imitierte man das Aussehen der südländischen Vorbilder. Eine der bekanntesten Instrumentenbauerfamilien waren die Ruckers aus Antwerpen. Ihre Arbeiten waren im 17. Jahrhundert in ganz Europa begehrt.

Nicht geöffnet wirkt das Instrument wie ein Nähkästchen und es wird vermutet, dass in den Schubladen tatsächlich Handarbeitsutensilien aufbewahrt werden konnten. Als typisches Instrument einer Dame im Rahmen häuslicher Betätigung kann also angenommen werden, dass Virginale auch als Hochzeitsgeschenke in Frage kamen. Mit der „Jungfräulichkeit“ mahnte man dabei wohl die Tugendhaftigkeit der zukünftigen Ehefrau und wünschte daneben eine wohlklingende, also harmonische Ehe.

Auf dem Virginal im Herzog Anton Ulrich-Museum, das zwei Oktaven umfasst, wird dies sogar mittels der Figuren dargestellt. Zu sehen sind Juno, die Göttin der Ehe und Mutterschaft, zusammen mit ihrem Gatten Jupiter, dem Göttervater, der in einem, von Pfauen gezogenen Wagen sitzt. Das Paar wird vom Liebesgott Amor begleitet. Daneben wird auch der praktische Nutzen des Instruments bildlich dargestellt. Nach Öffnen des Deckels ist ein koloriertes druckgraphisches Blatt zu sehen, das eine höfische Gesellschaft beim Musizieren in der freien Natur zeigt. Der Wohlklang der Musik erzeugte ein harmonisches Miteinander im Einklang mit der Natur, der sich nicht zuletzt daran offenbart, dass die dargestellten wilden Tiere ruhen.

Abbildung: Oktav-Virginal,  Augsburg oder Antwerpen, um 1600. Foto: HAUM

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