Liebespaare, denen das Happy End verwehrt blieb

Wie viele von uns wissen, endet leider nicht jede große Romanze mit einem „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. So auch bei diesen fünf Liebespaaren aus Geschichte, Mythologie und Literatur, deren Love-Story leider ein tragisches Ende fand.

Hero und Leander

Philips Galle (Stecher), Maarten van Heemskerck (Inventor), Hero und Leander, 1569, Inv. Nr. PGalle WB 3.7

Die tragische Liebesgeschichte von Hero und Leander hat Poeten über Jahrtausende hinweg inspiriert: Vergil, Ovid, Alighieri, Schiller und Shakespeare widmeten sich literarisch der Erzählung, Rubens, van Dyck und Angelika Kaufmann behandelten das Thema künstlerisch. Hero war der Erzählung nach eine Priesterin der Aphrodite in Sestos, am Westufer der Meerenge Hellespont gelegen. Leander, ihr Geliebter, lebte auf der anderen Seite der Enge in Abydos. Ihre Liebe war verboten, sodass die beiden sich stets nur heimlich treffen konnten. So schwamm Leander jede Nacht durch die Meerenge, um bei ihr sein zu können. Ein von Hero entfachtes Feuer in einem Turm wies ihm dabei stets den Weg. Doch eines Nachts wütete ein Sturm, der das Feuer löschte, sodass sich Leander verirrte und ertrank. Am darauffolgenden Morgen fand Hero ihren Geliebten tot am Ufer auf und stürzte sich daraufhin selbst von dem Turm hinab in den Tod.

In unserem Kupferstich von Philips Galle (nach Maarten van Heemskerck) ist die Tragödie in ihrem Ablauf nachzuvollziehen. Im Vordergrund wirft sich Leander gerade in die Fluten, in der Mitte der Meeresenge schwimmt er zielstrebig auf seine Geliebte zu, doch am anderen Ufer findet Hero nur noch den Leichnam ihres Geliebten.

 

Dido & Aeneas

Mattia Preti, Der Tod der Dido, um 1660, Leinwand, Inv.-Nr. GG L 5

Die Geschichte von Dido und Aeneas aus Vergils „Aieneas“ zählt wohl zu den bekanntesten Liebeserzählungen der Mythologie und ist eng mit der Gründung Roms verknüpft. Der aus Troja geflüchtete Aeneas strandet auf seinen Irrfahrten über das Mittelmeer in Kathargo, wo er von der Königin Dido freundlich aufgenommen wird. Aeneas ist der Sohn von Anchises und Aphrodite, der Göttin der Liebe. Diese bewirkt zum Schutz ihres Sohnes im fremden Reich, dass sich Dido in ihn verliebt.

Doch bald erfährt der Göttervater Zeus von der Liebschaft und mischt sich ein, denn Aeneas, der letzte Überlebende des trojanischen Königshauses, soll nach Italien reisen und dort ein neues Weltreich gründen. So entsendet Zeus den Götterboten Hermes, um Aeneas an diese Aufgabe zu erinnern. Dieser bricht schließlich schweren Herzens auf und lässt seine Geliebte zurück. Gebrochenen Herzens stellt sich Dido daraufhin auf einen Scheiterhaufen, auf welchem sie sich selbst erdolcht. Aeneas landet schließlich in Italien, wo er der Legende nach der Gründervater Roms wird.

Mattia Preti zeigt in seinem Gemälde die dramatische Szene, in der Dido, auf dem Scheiterhaufen kniend und schon von leichenblasser Farbe, sich den Dolch an die Brust setzt. Trauernd können ihre Untertanen nur noch zusehen, wie die entschlossene Dido sich den totbringenden Dolchstoß gibt.

 

Kleopatra & Marcus Antonius

Giovanni Battista di Jacopo, genannt Rosso Fiorentino, Die sterbende Kleopatra, um 1525/30, Holz, Inv.-Nr. GG 479

Kleopatra, die letzte Königin des ptolemäischen Reiches, war die Geliebte des römischen Feldherrn und Triumvirn Marcus Antonius. Zwischen ihm und seinem Mitregenten Gaius Octavius (Octavian), dem späteren römischen Kaiser Augustus, kam es nicht zuletzt wegen der Beziehung zu Kleopatra immer wieder zu Streitigkeiten bis hin zum Bürgerkrieg, in dem Marcus Antonius schlussendlich unterlag. Er flüchtete sich in die Hauptstadt der ägyptischen Königin, nur um dort das von Kleopatra lancierte Gerücht zu hören, sie habe sich selbst umgebracht. Daraufhin stürzte er sich in sein Schwert. Doch er starb nicht sofort, sondern erfuhr, dass Kleopatra noch lebte und ihn in ihrem Mausoleum erwartete. Er ließ sich zu ihr bringen und starb in den Armen seiner Geliebten. Wenige Tage später, nachdem der siegreiche Octavian ihr noch die Ausrichtung eines feierlichen Begräbnisses für Marcus Antonius gestattet hatte, beging auch Kleopatra Selbstmord.

Die genauen Umstände von Kleopatras Tot sind unklar, die Berichte darüber sehr einseitig. Plutarch berichtete, sie habe gebadet und anschließend ein prachtvolles Mahl genommen, bei welchem ihr ein Bauer einen Korb voll Feigen brachte. Nach dem Mahl entsandte sie einen Brief zu Octavian, in dem sie ihn bat, sie neben Antonius zu bestatten. Da erkannte Octavius, dass sie sich selbst das Leben nehmen wollte und schickte einen Boten zu ihr, der sie jedoch nur noch tot auffand. Kleopatra hatte wohl in dem Feigenkorb eine Natter verstecken lassen.

Rosso Fiorentinos Darstellung der „sterbenden Kleopatra“ zeigt sie bereits schwach vom tödlichen Biss der Natter, die sich um ihren Oberarm windet, wenige Momente vor ihrem Tod. Ihre Zofe steht ihr zur Seite, bewacht und betrauert ihre Herrin (der Erzählung nach wird auch sie sich anschließend das Leben nehmen).

 

Venus & Adonis

Unbekannter Künstler, Venus und Adonis (nach Tizian), frühes 18. Jahrhundert, Elfenbein, Inv.-Nr. Elf 310

Nicht einmal die olympischen Götter sind vor einem tragischen Ausgang ihrer Romanzen gefeit: der Mensch Adonis soll so schön gewesen sein, dass sich selbst Venus, die Göttin der Liebe, in ihn verliebte. Immer wieder warnte die Göttin ihren sterblichen Geliebten vor der Jagd gefährlicher Tiere, doch ihre Mühen waren vergebens. Eines Tages wurde er bei der Jagd von einem Eber getötet – in bestimmten Varianten der Geschichte war es der eifersüchtige Kriegsgott Mars, der sich in einen Eber verwandelt hatte. Untröstlich über den Verlust ihres Geliebten, ließ Venus aus seinem Blut eine Blume spießen, das Adonisröschen. So verbringt Adonis fortan einen Teil des Jahres im Reich der Unterwelt und einen anderen Teil als Blume im Reich der Lebenden. Venus, als Göttin unsterblich, muss fortan die Ewigkeit ohne ihren Geliebten verbringen.

Dieses Elfenbeinrelief eines unbekannten Künstlers wurde nach dem Gemälde „Venus und Adonis“ von Tizian (um 1560/65, Metropolitan Museum of Art) angefertigt. Es zeigt den Moment vor der Jagd: Adonis ist gerade im Begriff, mit seinen Hunden aufzubrechen, während Venus mit einer zärtlichen Umarmung versucht, ihn von der Jagd abzuhalten. Der traurig im Hintergrund kauernde Amor, der seinen Bogen und Köcher in den Baum gehängt hat, verweist bereits auf das tragische Ende der Liebe.

 

Romeo und Julia

Bernhard Plockhorst, Romeo und Julia, Aquarell, über Bleistift auf Papier, 1845 -1907, Inv.-Nr. Z V 87c

Die Geschichte von Romeo und Julia muss man eigentlich gar nicht mehr erzählen, denn sie ist wohl einer der bekanntesten Liebeserzählungen überhaupt: Die beiden Veroneser Familien Capulet und Montague sind seit Generationen verfeindet. Der junge Romeo Montague schleicht sich heimlich auf ein Kostümfest der Capulets und begegnet Julia Capulet. Sofort ist es um die beiden geschehen: Doch ihre Liebe muss geheim bleiben, niemals würden ihre Familien der Verbindung zustimmen. Heimlich schleicht sich Romeo auf das Grundstück der Capulets und klettert den Balkon zu Julias Zimmer hinauf, wo es zu ihrem ersten leidenschaftlichen Kuss kommt. Die beiden lassen sich kurze Zeit später heimlich trauen. Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall, der das bereits angespannte Verhältnis zwischen den beiden Familien eskalieren lässt: Julias Vetter Tybalt versucht, Romeo zu provozieren.

Dieser geht zwar nicht auf die Provokation ein, an seiner Stelle kämpft jedoch Mercutio gegen Tybalt. Als Romeo dazwischen geht, wird Mercutio im Eifer des Gefechts tödlich verletzt. Blind vor Wut und Trauer über den Tod seines Freundes geht er auf Tybalt los und ermordet ihn, weshalb Romeo aus Verona verbannt wird. Den beiden frisch Vermählten bleibt nur die Hochzeitsnacht, im Morgengrauen muss Romeo die Stadt verlassen und flieht nach Mantua. Währenddessen arrangieren Julias Eltern ihre Verlobung mit Graf Paris. Verzweifelt wendet sie sich an Bruder Lorenzo, der sie und Romeo zuvor vermählt hatte. Dieser gibt ihr einen Trank, der sie für einen Tag in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Als Julias lebloser Körper am Hochzeitsmorgen aufgefunden wird, wird sie in der Familiengruft der Capulets aufgebahrt.

An Romeo hat sie einen Brief gesendet, der ihm Lorenzos Plan erklären soll, doch dieser erreicht ihn nicht. Stattdessen hört er von Julias Tod und eilt zu ihr. An ihrem Grab nimmt er ein tödliches Gift zu sich und stirbt. Nur kurz nach Romeos Tot erwacht Julia und erkennt, dass ihr Plan missglückt ist. Sie nimmt Romeos Schwert und ersticht sich selbst. Erst, als die beiden tot sind, erkennen die Familien Montague und Capulet die Sinnlosigkeit ihrer Fehde und beenden ihren Streit.

Bernhard Plockhorst hat in diesem Aquarell den süßen Moment kurz vor dem ersten Kuss von Romeo und Julia festgehalten.

 

Doch lieber Happy End?

Wer doch lieber Liebesgeschichten lesen möchte, die besagtes „Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ am Ende stehen haben, findet fünf romantische Liebesgeschichten mit Happy End in unserem Valentinstag-Blogpost „Best of Bible, Olymp & Co: Fünfmal Liebe!“.