Nach fast drei Jahrzehnten wird Prof. Dr. Jochen Luckhardt am 28. Februar seine Position als leitender Direktor des Herzog Anton Ulrich-Museum an seinen Nachfolger Dr. Thomas Richter übergeben und in den wohlverdienten Ruhestand gehen. In einem Interview blickt er auf seine Zeit am HAUM zurück und verrät uns, was seine Zukunftspläne sind.

Nach fast 30 Jahren als Direktor des Herzog Anton Ulrich-Museums gehen Sie nun demnächst in den Ruhestand – was werden Sie mit Ihrer freien Zeit anfangen?
Ein Historiker-Kollege aus Heidelberg sagte letztens zu mir: „Ach, Sie gehen auch in Pension? Da haben wir ja genügend zu tun!“ Nach der Pensionierung hört man ja nicht auf zu arbeiten, man geht in die Bibliothek und hat seine eigenen Projekte. Man hat natürlich genügend Möglichkeiten, sich weiterhin auf die „Suche nach Wahrheit“ zu begeben, denn das ist es ja, was Forschung sein soll, die Suche nach Wahrheit.

Gibt es schon konkrete Pläne und Projekte?
Genügend! Zunächst ein Beitrag in dem nächsten Bändchen zur Rabe-Preisträgerin. Außerdem vielleicht ein kleines Heftchen zu einem Hauptwerk des Braunschweigischen Landesmuseums und drittens und vor allem die Beschäftigung mit altdeutschen und altniederländischen Gemälden aus diesem Museum, womit ich zwar schon vor Jahren angefangen habe, es aber nie beenden konnte. Das Projekt läuft zusammen mit meinem Kollegen Prof. Dr. Michael Wiemers von der Universität Halle und wird unterstützt vom Freundeskreis des Herzog Anton Ulrich-Museums, der schon in den vergangenen Jahren dafür gesammelt hat.

Was sind Ihre drei Lieblingswerke aus den Sammlungen?
Da muss ich Sie enttäuschen! Ich habe etwa 190.000 Lieblinge. Wie soll ich mich denn da entscheiden?

Unter Ihrer Leitung wurden viele Ausstellungen gezeigt, was sind Ihre persönlichen Top 3 und warum?
Es gab während meiner Zeit etwa 100 Ausstellungen. Doch natürlich hat man da seine persönlichen Highlights. Nicht zu toppen war beispielsweise die Ausstellung „Heinrich der Löwe“ 1995 mit 230.000 Besuchern. Das war die teuerste Ausstellung, die in diesem Museum jemals gezeigt wurde und hatte eine wunderbare Resonanz. Sehr interessant war auch der Austausch mit der Nationalgalerie in Prag. Wir hatten 1998 die Ausstellung „Hofkunst der Spätrenaissance“ gemeinsam erarbeitet, die sowohl hier als auch in der Nationalgalerie in Prag zu sehen war. Die dritte Ausstellung war die Gemäldeausstellung über Peter Paul Rubens 2004. Das war eine Jubiläumsausstellung, das macht man auch nicht alle Jahre. Da kamen Werke aus ganz Europa hierher, die mit Rubens eng verbunden sind. Ich könnte noch einige weitere nennen, wie z.B. „Bilder vom alten Menschen“ von 1993. Aber das sollten ein paar der Highlights meiner Amtszeit gewesen sein.

Über welche Leihgabe zu Sonderausstellungen haben Sie sich besonders gefreut?
Wir hatten mal einen tollen Austausch mit dem Metropolitan Museum in New York. Dorthin haben wir ein wichtiges Gemälde von Orazio Gentileschi ausgeliehen. Und der damals zuständige Kurator bat uns im Gegenzug an, dass wir auch ein Werk ausleihen dürfen. Und da wir damals gerade in den Überlegungen waren, etwas „ausfüllen“ zu müssen, haben wir eine werkmonografische Ausstellung zu Tizian gestaltet. Dafür hat uns das MET das Gemälde „Venus und Adonis“ geliehen.

Auf welche Errungenschaften der letzten drei Jahrzehnte sind Sie besonders stolz?
Dass es uns gemeinsam mit dem gesamtem Museumsteam gelungen ist, das Museum, mit allem, was dazugehört, neu aufzustellen.

Gab es besondere Besucher, über die Sie sich gefreut haben?
Natürlich hatten wir auch einige Prominente da wie Schauspieler, der spätere Bundespräsident Wulff war beispielsweise da, sein Vorgänger Herr Köhler auch. Aber worüber ich mich immer besonders gefreut habe, waren die besonderen Besucher, die wir bei der Ausstellung „Heinrich der Löwe“ ausgezeichnet haben. Angefangen beim 50.000 Besucher, und dann wieder beim 100.000 und 150.000 und 200.000, haben wir immer Leute ausgezeichnet. Und es kamen immer mehr! Das war wunderbar!

Was glauben Sie, was Ihnen am meisten fehlen wird?
Mir wird das Gefühl fehlen, das ich während der Entstehung einer Ausstellung habe. Man hat ein Konzept gemeinsam mit seinem Team verfasst, man hat sich überlegt, was wo gezeigt wird, hat mit dem Ausstellungsarchitekten gesprochen. Und dann kommen irgendwann die Werke – teilweise aus der ganzen Welt. Und das Bild, das man vor Augen hatte, konkretisiert sich nach und nach. Das ist wunderbar! Das wird mir fehlen.

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