Solche Erfolgsmeldungen sind angesichts der explodierenden Preise auf dem Kunstmarkt selten geworden. Im Rahmen einer Auktion in München im Dezember 2018 konnten wir, unterstützt durch die Braunschweiger Günter Kalkhof-Stiftung, eine Ölskizze von Max Beckmann erwerben. Das 18,5 x 28 cm große Ölbild stammt aus dem Frühwerk des Hauptmeisters der Moderne. Das skizzenhaft gemalte Werk zeigt eine Landschaftsansicht, der ganz offenbar die Riddagshäuser Teiche und die Buchhorst in Braunschweig zugrunde liegen. Es handelt sich um das erste Gemälde, das seinen Weg in eine der öffentlichen Sammlungen in Braunschweig findet, der Stadt, zu der Max Beckmann immer eine besondere Beziehung pflegte.

Max Beckmann & Braunschweig

Max Beckmann ist einer der bedeutendsten Künstler der Moderne – und er war ein bekennender Braunschweiger. Geboren 1884 in Leipzig, gestorben 1950 in New York, lebte Beckmann eigentlich nur zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr in der Löwenstadt, aus deren Umland seine Eltern stammten. Die emotionale Bindung war trotzdem so stark, dass sich der Weltbürger zeitlebens als Braunschweiger bezeichnete. Vielleicht auch deshalb, weil er in Braunschweig die Kunst für sich entdeckte? Hier streifte Max lieber beobachtend und zeichnend durch Stadt, Natur und Gaststätten als zur Schule zu gehen. Hier lebte er nur einen Steinwurf vom Herzog Anton Ulrich-Museum entfernt, wo er die große Kunst der alten Meister als Inspiration für seine eigenen ersten Schritte als Künstler nutzen konnte.

Die „Landschaft mit See“

Der 16-jährige Max Beckmann malte die Ölskizze „Landschaft mit See“, Öl auf Leinwand, aufgezogen auf Karton, 19,5 x 28,5 cm, nach Ausweis der Signatur am 6. April 1900. Die Arbeit stammt aus Beckmanns frühester Schaffensphase, kurz vor dem Beginn seines Studiums an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, und zählt somit zu den ersten Werken seiner künstlerischen Laufbahn. Ein Zeitraum, der bisher wissenschaftlich wenig erforscht und auch noch nicht in der aus 98 Werken bestehenden Sammlung von Beckmann-Graphiken im Kupferstichkabinett des Museums vertreten ist. Wie sein frühestes Skizzenbuch (Washington, National Gallery of Art) belegt, durchstreifte Max in diesen Wochen und Monaten zeichnend die Stadt, Natur und Gaststätten in und um Braunschweig, wobei es ihn besonders zum Nussberg, nach Riddagshausen und zum Grünen Jäger zog.  Auf diesen Wegen suchte er seine Neugier auf das Leben zu stillen und seine künstlerischen Fähigkeiten weiter zu entwickeln.

Die Provenienz des Werkes

Die „Landschaft mit See“ stammt aus dem Nachlass Barbara Göpels, der Ehefrau des bereits 1966 in München verstorbenen Kunsthistorikers Erhard Göpel. Dieser war für den im Amsterdamer Exil während des Krieges isolierten und gefährdeten Max Beckmann ein wichtiger Freund und Unterstützer. Beckmann porträtierte ihn 1944 in einem Gemälde (jetzt Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin). Gemeinsam erstellte das Ehepaar Göpel später das Werkverzeichnis der Beckmann-Gemälde. Erhard Göpel war, wie inzwischen bekannt ist, während des 2. Weltkriegs  jedoch auch Mitarbeiter des „Sonderauftrags Linz“ und somit am Kunstraub beteiligt. Die Prüfung der Provenienz des auf der Auktion in München angebotenen Werkes hatte daher höchste Priorität. Erst als die lückenlose Provenienz nachgewiesen war – das Gemälde stammt aus dem Besitz von Beckmanns Schwester Margarethe, deren Tochter Hildegard es in den 1950er Jahren an das Ehepaar Göpel verkaufte – wurde die Ersteigerung in Betracht gezogen.

Max Beckmann-Aktionswoche im HAUM vom 6. bis 14. April 2019

Das Herzog Anton Ulrich-Museum feiert die Neuerwerbung mit einer Max-Beckmann-Aktionswoche, die auf den Tag genau 119 Jahre nach der Entstehung des Gemäldes, am 6. April 2019, beginnt. Bis zum 14. April wird die „Landschaft mit See“ für kurze Zeit in der Gemäldegalerie zu sehen sein, neben Werken von Künstlern wie Rembrandt und Vermeer, die Beckmann – der die Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums seit Kindertagen sehr gut kannte – lebenslang bewunderte. Insbesondere das Familienbild aus Rembrandts Alterswerk hatte sich ihm nachhaltig eingeprägt. In seinem Tagebuch vermerkt er anlässlich einer Reise nach Amsterdam im Jahr 1903:

„Also über Rembrand (sic). Manchmal sehr schön, die Nachtwache find ich langweilig, ich finde alle können nicht gegen sein Braunschweiger Familienportrait an.“

Ergänzt wird die Sonderpräsentation in der Gemäldegalerie mit Spezialführungen, einer Studioausstellung im Kupferstichkabinett und zwei Vorträgen. Die Besucher können in dieser Woche exklusiv für einen ermäßigten Eintritt von nur 5 € (Kinder sogar kostenlos) das Kunstmuseum und den neuen Beckmann besuchen.

 

Wir bedanken uns herzlich bei der Günter Kalkhof-Stiftung und der Stiftung zur Förderung des Herzog Anton Ulrich-Museums, durch deren großzügige Unterstützung der Ankauf ermöglicht wurde.

*Aus bildrechtlichen Gründen können wir Ihnen leider keine Abbildung des neuerworbenen Beckmanns „Landschaft mit See“ präsentieren.


Titelbild: Außenansicht des Herzog Anton Ulrich-Museums, HAUM Fotowerkstatt

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