Sie sind zum Abendessen zu Gast bei Ihren Schwiegereltern und nehmen Platz an der reich gedeckten Tafel. Wie Sie es wahrscheinlich von Zuhause kennen, wenn Sie selbst Besuch empfangen, finden Sie bereits einen vorbereiteten Tisch vor: Die Teller stehen neben dem Besteck an den für sie vorgesehenen Plätzen, die Dekoration sorgt für die richtige Stimmung und einige Untersetzer warten auf die heißen Speisen. Und da ist es auch schon: Ihre Schwiegereltern servieren nach einer kurzen Gelegenheit für Begrüßung und Small-Talk das frisch gekochte Essen. Bedienen Sie sich!

Doch bevor alle in gefräßiges Schweigen versinken und das gute Mahl genießen, sollten Sie noch einmal ordentlich auch für intellektuelle Genüsse sorgen. Falls Sie eine unliebsame Schwiegermutter haben, nutzen Sie dazu am besten den Augenblick des Ansetzens einer gefüllten Gabel.
„Ist Euch eigentlich klar, dass wir hier auf französische Art speisen?“ Nun werden alle Gäste auf das Essen starren und sich fragen, was der Spargel mit Pellkartoffeln o.ä. mit der französischen Küche zu tun haben könnte. Fahren Sie fort: „Nun, im 18. Jahrhundert sprach man von ‚Service à la française‘, wenn auf der Mitte des Tisches zahlreiche Terrinen, Schüsseln oder Platten mit den Speisen aufgebaut waren, mit denen der Gast seinen Teller füllen konnte. Die Mahlzeiten wurden in mehreren Gängen aufgetragen. Dabei war das Geschirr  zumeist achsensymmetrisch und hierarchisch zum Zentrum hin aufgestellt, wo die ranghöchste Person saß. Nach den hors-d’ œuvres und entrées, den Vorspeisen, die aus Pasteten, Suppen oder Ragouts bestanden, folgten rôtis und entremêts. Im Anschluss an diesen Hauptgang mit Beigerichten rundeten Kuchen, Kompott oder Pralinés als Dessert die festliche Tafel ab.“

Nach dieser Feststellung wird ihre Schwiegermutter die Gabel näher zum Mund führen wollen, um das Abendessen fortzuführen. Doch weit gefehlt! Sie sind ja mit ihrer Ausführung noch längst nicht fertig.
„Ein Teil eines solchen Services für die Nutzung ‚à la française‘ findet sich im zweiten Obergeschoss des Herzog Anton Ulrich-Museums. Carl I. beauftragte es und ließ von dem Maler Pascha Johann Friedrich Weitsch verschiedene Ortschaften des Herzogtums darauf darstellen. Die Terrinen, Schüsseln und Platten verraten, dass die Speisen in der Mitte des Tisches aufgestellt werden sollten. Erst im 19. Jahrhundert wandelte sich die Grundstruktur der Tafel. Von nun an waren die Terrinen und Platten in der Mitte des Tisches nicht mehr nötig, denn servierte man ‚à la russe‘. Dabei waren das Besteck, die Gläser und die Unterteller sowie kalte Speisen oder Zwischengänge bereits am Platz. Die warme Mahlzeit wurde jedoch erst durch einen Bediensteten gereicht, der von Gast zu Gast die verzehrfertigen Speisen anbot. Durch den nun entstandenen Platz auf dem Tisch entstanden oftmals üppige Tafeldekorationen, wie Figuren, Kandelaber und Vasen. Ihr solltet wirklich mal ins Herzog Anton Ulrich-Museum gehen und Euch dort umschauen, faszinierend, was man alles erfahren kann.“

Während ihre Tischnachbarn noch auf die Tafel blicken und Ihre Ausführungen sacken lassen, können Sie nach dieser kleinen Vorspeise nun endlich herzhaft zubeißen. Das haben Sie sich verdient! Guten Appetit!

One thought on “How to impress … à la francaise!”

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