Speed-Dating, Parship, Elite-Partners, Tinder, einen neuen Partner kennenzulernen im Zeitalter des Internets kann einem schon viel abverlangen. Wenn Sie das nächste Mal einem Gespräch über die Fehltritte und Erfolge der modernen Singles beiwohnen, geben Sie doch die Geschichte vom Raub der Sabinerinnen zum Besten; natürlich nur mit einem Augenzwinkern!

Aber was war Der Raub der Sabinerinnen gleich noch? Wer sind die Sabinerinnen und warum wurden sie geraubt und vor allem von wem? Es geht in jedem Fall nicht um viele Frauen, die Sabine hießen (auch wenn der weibliche Vorname bei den Sabinern seinen Ursprung nimmt). Vielleicht weiß man auch noch, dass es um Rom geht und vielleicht erinnert man sich sogar noch an den Namen Romulus.

Die Legende geht so: Die neuen Römer um Romulus hatten die Stadt Rom gegründet und aufgebaut, Remus war von seinem Bruder Romulus im Streit ermordet worden und alles hätte so schön sein können, wäre da nicht das Problem gewesen, dass es kaum Frauen in der neuen Stadt gab. Das hatte seinen Ursprung darin, dass zuerst vor allem männliche Flüchtlinge und Verbannte die Straßen der neuen Stadt bevölkerten.

So beschlossen die Römer, in Ermangelung von anderen Dating-Optionen, in den umliegenden Städten um Frauen zu werben, wurden aber unverrichteter Dinge fortgeschickt. Nach dieser Enttäuschung und Schmach schmiedete Romulus einen neuen Plan: die umliegenden Städte wurden zu einem großen Fest inklusive Kampfspiele zu Ehren Neptuns nach Rom eingeladen. Neugierig die neue Stadt zu sehen, folgte man der Einladung.

Zum Fest erschien besonders zahlreich der benachbarte Stamm der Sabiner um ihren König Titus Tatius. Die Besucher, auf ein Fest und Spiele eingestellt, kamen unbewaffnet und wurden von den Römern überrumpelt: Als alle Gäste durch den Beginn der Spiele abgelenkt waren, begannen die römischen Männer die jungen, ledigen Frauen zu stehlen (zumindest versuchten sie nur unverheiratete Frauen zu stehlen, doch die Frau von Romulus, Hersilia, soll angeblich verheiratete Sabinerin gewesen sein…).

Die dramatische Szene des Raubes war bei bildenden Künstlern ein beliebtes Motiv. Die antike Geschichte wurde in Skulptur, Malerei und Druckgraphik gerne in all ihrer Dramatik und Dynamik verbildlicht. Von Peter Paul Rubens mit rundlichen Sabinerinnen, die von den römischen Soldaten kaum auf ihre Pferde gehievt werden können, über Giambolognas beeindruckende Skulpturengruppe, bis zu Picassos Interpretation wurde die Entführung der jungen Sabinerinnen verarbeitet.

Giovanni Giambologna, Der Raub der Sabinerinnen. Bildnachweis: By Rufus46 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Giovanni Giambologna, Der Raub der Sabinerinnen. Bildnachweis: By Rufus46 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Das herausragende Werk Giambolognas könnten Sie mit folgenden Worten lebendig werden lassen:
„In der eng verschlungenen Figurengruppe des hervorragenden italienischen Bildhauers Giambologna erzählen Körper und Gesichter die dramatische Geschichte. Der am Boden sitzende Sabiner muss in hilfloser Fassungslosigkeit zusehen, wie ihm die Frau entrissen wird. Die Sabinerin streckt den Arm gen Himmel als würde sie um göttlichen Beistand bitten, ihr Gesicht trägt zarte Züge der Resignation über das ihr bevorstehende Schicksal.“

Falls Sie den Art-Talk noch mit einem Vergleichswerk ausschmücken wollen, bietet sich Andrea Andreani‘s Holzschnitt an:
„Der Italiener Andrea Andreani (1541-1623) schuf drei Holzschnitte der Sabinerin aus der bekannten Skulpturengruppe Giambologna’s, die die Figur aus verschiedenen Perspektiven wiedergibt und somit eine graphische „Rundumsicht“ bietet. Zusätzlich nutzt Andreani die Clairobscur-Technik mit der er der Grafik mehr Tiefe gibt, da er den Abdruck von der sogenannten Strichplatte, die die Konturen der Figuren druckt durch partiell von sogenannten Tonplatten gedruckten Farbabstufungen erweitert und so den Eindruck der Plastik in vorzüglicher Weise vermitteln kann.“

Laut Legende nahm die Geschichte ein gutes Ende, denn als die wütenden Familien der Sabinerinnen zurückkamen, um ihre Frauen zu befreien, hatten diese sich mit ihrem Schicksal angefreundet. Als es zum Kampf zwischen Sabinern und Römern kam, stürzten die Sabinerinnen auf das Schlachtfeld und baten den Krieg einzustellen, da sie weder ihre Ehemänner noch ihre Väter und Brüder verlieren wollten. So wurden Sabiner und Römer ein Volk.

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