Anfänge eines jungen Künstlers

Als Sohn eines Müllers und Getreidegroßhändlers kommt Max Beckmann 1884 in Leipzig zur Welt. Elf Jahre verbringt die Familie hier, bis sie 1895 wieder in ihre alte Heimat Braunschweig zurückzieht. Sowohl die Mutter Bertha als auch der Vater Carl Beckmann stammten ursprünglich aus dem Land Braunschweig. Kurz nach dem Umzug verstirbt Beckmanns Vater. Der junge Beckmann erkennt schon früh, dass ihm die Kunst mehr Spaß macht als zur Schule zu gehen. So versucht die Familie zunächst ihn mit Schulwechseln in der näheren Region und einem Internatsbesuch in Ahlshausen wieder auf die richtige Bahn zu lenken.
Ein aussichtsloser Kampf, wie 1900 deutlich wird. Beckmann beginnt ohne Schulabschluss eine künstlerische Ausbildung an der Weimarer Kunsthochschule. Drei Jahre widmet sich der aufstrebende Künstler hier der Malerei, bis er auf einem Faschingsfest seine spätere Frau Minna Tube kennenlernt. Kurze Zeit später trifft er die Entscheidung, gemeinsam mit ihr die Kunstschule zu verlassen, dann aber zunächst alleine nach Paris zu gehen. Dort ist er vor allem von Cézannes Kunst beeindruckt.

Die Secessionen

Nach seinem Aufenthalt in Paris kehrt Beckmann nach Deutschland zurück und bezieht ein Atelier in Berlin-Schöneberg. Zwei Jahre später erlebt Beckmann die schwere Krankheit und den schmerzlichen Verlust der Mutter. Ihr Tod findet daraufhin Ausdruck in einigen Werken. Zahlreiche Ausstellungen, die Mitgliedschaft in der Berliner Secession und der Villa Romana Preis verhelfen dem Künstler zu immer größerer Anerkennung. Turbulente Jahre folgen. Aufenthalte in Paris und Italien, die Heirat mit Minna und die Geburt seines Sohnes Peter geben Beckmann neue Ideen für seine Kunstwerke. Seine Fortschritte ermöglichen ihm inzwischen sogar Einzelausstellungen. Der Künstler tritt 1913 nach Streitigkeiten aus der Berliner Secession aus und gründet die Freie Secession Berlin.

Kriegsjahre – ein gewaltsamer Umbruch

Als die Kriegsjahre beginnen, erst an der Ostfront, dann im Westen inmitten der Materialschlachten um Ypern, entscheidet sich Max Beckmann zum freiwilligen Dienst als Krankenpfleger. Hier immer mit dabei: Ein Skizzenbuch. Die Erfahrungen des Krieges werden den Künstler verändern. Ein Zusammenbruch im Sommer 1915 führt schließlich 1917 zur Entlassung aus dem Militärdienst. Daraufhin verbringt er einige Monate in Frankfurt. Stil und Motive wandeln sich in den Folgejahren der schrecklichen Erlebnisse. Direkt nach dem Krieg entstehen düstere Werke wie das Gemälde „Die Nacht“ (1918/19) oder der lithographische Zyklus „Die Hölle“ (1918/19).

Erfolgsjahre

Nachdem die Ehe mit Minna 1925 scheitert, heiratet Beckmann noch im selben Jahr eine neue Liebe. Mathilde von Kaulbach, genannt „Quappi“ wird zu Inspiration und Motiv unzähliger Werke. Nun ist er auch international erfolgreich, sodass er 1927 sowohl in Paris als auch New York ausstellen kann. Wohnsitz des jungen Paares bleibt hierbei jedoch weiterhin Frankfurt am Main, an dessen Städel Schule er 1929 Professor wird. Der Erfolg nimmt weiter zu, bis die Nationalsozialisten Beckmann aufgrund seiner progressiven Kunst als „entartet“ einstufen und ihm seine Wirkungsmöglichkeiten nehmen.

Im Exil

Dass Beckmanns Werke in öffentlichen Sammlungen größtenteils beschlagnahmt und 1937 sogar in der Schandausstellung „Entartete Kunst“ zur Schau gestellt wurden, veranlasst das junge Paar nun endgültig ins Exil zu gehen. Ihr erstes Ziel: Amsterdam. Hier können sie sich zunächst niederlassen, bevor es nach Amerika weitergehen soll. Diese Perspektive zerschlägt sich jedoch, als am 15. Mai 1940 deutsche Truppen in die Niederlande einmarschieren.
Erst 1947 können die Beckmanns nach leidvollen Kriegsjahren nach St. Louis gehen. Dort hatte man dem Künstler eine Professorenstelle angeboten. Vor einem erneuten Umzug nach New York erlangt Beckmanns Erfolg seinen Höhepunkt. Eine umfassende Retrospektive wird in sieben Städten der USA gezeigt. Am 27. Dezember 1950 stirbt Max Beckmann auf dem Weg zum Metropolitan Museum of Art im Central Park an einem Herzschlag.

Max Beckmann im Herzog Anton Ulrich-Museum

Ende 2019 konnte das Herzog Anton Ulrich-Museum ein bedeutendes Frühwerk von Max Beckmann für die Sammlung erwerben. Die 18,5 x 28 cm große Ölskizze zeigt offenbar die Riddagshäuser Teiche und die Buchhorst in Braunschweig. Beckmann war erst 16 Jahre alt, als er die „Landschaft mit See“ 1900 malte. Zu dieser Zeit lebte er mit seiner Familie in Braunschweig im Sandweg (heute Magnitorwall), ganz in der Nähe des Herzog Anton Ulrich-Museums. Zwischen dem 6. und 14. April 2019 wird dieses Ölgemälde von Beckmann in einer Aktionswoche mit vergünstigtem Eintritt in der Gemäldegalerie erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.
Danach wird es wohl erst wieder in einer großen Ausstellung zu Max Beckmann im Herzog Anton Ulrich-Museum zu sehen sein, die vom 25. Oktober 2020 bis 7. Februar 2021 gezeigt wird.

 

*Aus bildrechtlichen Gründen können wir Ihnen leider keine Abbildung des neuerworbenen Beckmanns „Landschaft mit See“ präsentieren.


Titelbild: Außenansicht des Herzog Anton Ulrich-Museums, HAUM Fotowerkstatt

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