Zeichnerische Anfänge

Dachte viel an die Zeit von 1899-1903. Muß das mal genau entwirren. Nicht uninteressant die embryonalen Regungen zu beobachten“ – Max Beckmann am 18. November 1946

So beschreibt Beckmann in seinen späten Tagebüchern aus dem Abstand eines halben Jahrhunderts die ersten eigenen künstlerischen Gehversuche. Die Skizzenbücher begleiteten den jungen Künstler dabei und verbildlichen uns heute seine rasche Entwicklung. Die große Fülle an zeichnerischen Werken zeigt sein schon mit 16 Jahren stark ausgeprägtes Interesse daran, sich künstlerisch auszuprobieren.

Erste malerische Versuche

Doch wann wurde aus dem jungen Zeichenkünstler auch ein Maler? Da der Künstler laut Überlieferungen, einige seiner frühen Werke selbst zerstörte, ist diese Frage heute nicht mehr eindeutig zu klären. Seine eigene „Bilderliste“ beginnt erst Jahre später mit dem Werk „Junge Männer am Meer“ (1905, Stiftung Weimarer Klassik). Die noch heute erhaltenen, frühesten Gemälde zeigen Selbstbildnisse und Portraits der Familie. Er hält sowohl seine Schwester (1899) als auch seine Mutter (1906) mit schon damals eindringlichem Ausdruck fest. All das geschieht etwa gleichzeitig zum ersten Skizzenbuch von 1899, in dem sich ebenfalls Portraits der Familie und Vorstudien finden lassen. Doch sind auch davon unabhängige Motive überliefert. Im Aquarell „Diamantberg“ (1898) verarbeitet Beckmann beispielsweise ein Märchen der Gebrüder Grimm.

Landschaftseindrücke

Neben den Portraits bestimmen auch Landschaftsdarstellungen das überlieferte malerische Frühwerk des jungen Künstlers. Sie lassen einen kunstaffinen Max Beckmann mitten im Findungsprozess des eigenen Stils erkennen. Teilweise inspiriert von Edvard Munchs (1863-1944) flächigem Farbauftrag mit angehend expressiver Palette in „Meeresstrand“ (1902) oder mit deutlicher Tendenz zu dem atmosphärischem Duktus der Impressionisten in unserer Ölskizze „Landschaft mit See“ (1900, siehe Titelbild); der junge Maler probiert sich aus.

Frühwerk ist kaum erforscht

In der Aktionswoche vom 6. und 14. April 2019 wird der neue Beckmann in der Gemäldegalerie gezeigt. Foto: HAUM Fotowerkstatt, Max Beckman Ölskizze: © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Mit „Junge Männer am Meer“ (1905) zeichnen sich erste Erfolge für Max Beckmann ab. Mit diesem und den nachfolgenden Werken beginnen auch die meisten Forschungen zu dem erfolgreichen Künstler. Seine frühesten Anfänge wurden bis jetzt nur wenig beleuchtet. Das HAUM wird sich nach der Beckmann Aktionswoche vom 6. – 14. April 2019  genau diesen frühen Werken widmen und den Beginn des Malers stärker unter die Lupe nehmen. Eine große Ausstellung mit brandneuen Erkenntnissen über die bisher wenig betrachtete frühe Zeit des Künstlers und vor allem seiner Braunschweiger Wurzeln folgt im Winter 2020/21.


Titelbild: Max Beckmann, Landschaft mit See, Foto: HAUM Fotowerkstatt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

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