Nachdem das „weiße Gold“ von September bis Dezember 2017 im Zentrum unserer Sonderausstellung „Porcelaine royale. Napoleons Bedeutung für Sèvres und Fürstenberg“ stand, haben wir uns auf den Weg zur Manufaktur Fürstenberg gemacht, um der Frage nachzugehen: Was genau ist Porzellan eigentlich?

Begriff: „Porzellan“ leitet sich vom italienischen Wort „porcella“ ab, das früher eine porzellanähnliche Seemuschel bezeichnete. Der englische Begriff für Porzellan „China“ kommt nicht von ungefähr: Der Seefahrer Marco Polo (1254–1324) soll den Begriff geprägt haben, als er einige Exemplare von seinen Reisen mitbrachte und dachte, dass die Chinesen aus dieser Seemuschel das „Porzellan“ herstellten.

Herkunft: Porzellan als Produkt ist den Chinesen bereits seit der Hochzeit der westchinesischen Kulturen (1122 bis 770 v. Chr.) bekannt. Durch Kaufleute gelangten erste Porzellanstücke ab dem 13. Jahrhundert durch Kaufleute und Forscher nach Europa. Seit dem 17. Jahrhundert wurde Porzellan primär über Holland importiert. Die Herstellung des damals sehr kostbaren Materials blieb jedoch ein Geheimnis der Chinesen, weshalb das „weiße Gold“ in Europa neu erfunden werden musste. Dies geschah 1708/09 durch den deutschen Alchimisten und Apotheker -Gehilfen Johann Friedrich Böttger. Die erste europäische Porzellanmanufaktur entstand dann 1710 in Dresden bzw. Meißen, mit Johann Friedrich Böttger als Leiter.

„Rezept“: Um Porzellan herzustellen nehme man:

  • 50 Teile Kaolin
  • 25 Teile Quarz
  • 25 Teile Feldspat

Dabei gibt Kaolin dem Porzellan die Form und weiße Farbe, Quarz sorgt für Standfestigkeit im Brennprozess und Feldspat ist entscheidend für die Dichte des Porzellans, da es im Brennprozess den Schmelzpunkt von Kaolin und Quarz senkt. Durch entsprechende Bearbeitung, Mahlen, Mischen und letztendlich durch die verschiedenen Brände werden die drei Bestandteile miteinander verbunden.

Besonderheiten: Porzellan erkennt man an seiner Transparenz bzw. Transluzenz, d.h. dass Licht hindurch scheint, sofern der Scherben (Porzellanmasse) nicht zu dick ist. Weitere Merkmale sind seine reinweiße Farbe und stark glänzende Oberfläche sowie sein heller Klang.

Herstellung:
Der Prozess vom pulverisierten Rohstoff zur Porzellantasse oder -schüssel ist komplex. Die Rohstoffe werden von den Lieferanten zerkleinert, klassiert (Trennverfahren) gemischt und getrocknet angeliefert. In der Porzellanmanufaktur werden die einzelnen Rohstoffe zunächst in einer Massemühle zu einer Fertigmasse vermischt, in der Produktion gewogen und mittels eines elektrogetriebenen Rührwerkes mit Wasser vermischt und zu einem  flüssigen Schlicker verarbeitet. Der Schlicker wird mittels starker Elektro- bzw. Permanentmagnete und Vibrationssiebe von allen Fremdbestandteilen gereinigt und von überschüssigem Wasser befreit.

Die fertige Porzellanmasse wird mittels drei verschiedener Verfahren zum Endprodukt weiterverarbeitet:

  1. Pressen (Das Granulat wird unter Druck zu Tellern, Schüsseln oder Platten gepresst.)
  2. Drehen (Das Verfahren wurde jahrzehntelang zur Herstellung von flachen Tellern, Platten oder Schüsseln genutzt, später weitestgehend durch das „Pressen“ ersetzt, das auch die Herstellung asymmetrischer Produkte ermöglicht.)
  3. Gießen (Dieses Verfahren eignet sich besonders für Kannen, Dosen oder Tassen und wurde 1816 erstmals in Sèvres angewandt. Die flüssige Porzellanmasse wird in eine Gipsform gegossen, die dem Schlicker Wasser entzieht und an deren Saugfläche sich die Masse verfestigt (als sogenannter Scherben). Die Stärke wird durch die Verweildauer des Schlickers in der Form bestimmt; überschüssige Masse wird ausgegossen. Der verbleibende Scherben verfestigt sich und löst sich anschließend von der Form.)

Der entstandene „Rohling“ wird in Form gebracht: scharfe, überstehende Ränder oder Gießnähte werden beseitigt  und Unebenheiten verputzt. Der Porzellangegenstand wird getrocknet und bei 900 bis 950 °C in den Ofen gestellt (Glühbrand), um die Masse von organischen Bestandteilen zu reinigen und den Scherben zu verfestigen. Im nächsten Schritt  wird der Artikel in eine Glasur aus Quarz, Feldspat, Kalkspat, Dolomit, Kreide und Kaolin getaucht und darin geschwenkt. Auf diese Weise saugt der poröse Scherben das Wasser aus der Glasur an, während die festen Teilchen als dünner Film auf der Oberfläche des Gegenstands haften bleiben. Von den Stellen, auf denen der Porzellanartikel im zweiten Brand (Glattbrand) stehen wird (bei Tellern z.B. vom Fuß) muss die Glasur mit Hilfe von feuchten Schaumgummibändern entfernt werden, da sie während des Brandes zähflüssig werden und an den Brennhilfsmitteln kleben bleiben würden. Im Glattbrand wird der zuvor poröse Scherben bei 1350 bis 1450 °C, dicht „gesintert“, d.h. seine Teilchen rücken eng zusammen und verbinden sich zum Teil miteinander, weshalb der Porzellangegenstand beim zweiten Brand um 14 % schrumpft. Bei diesen Temperaturen verschmilzt die Glasur zudem mit dem darunter liegenden Scherben und erscheint final als glatte, glänzende Fläche. Soll der Porzellangegenstand noch ein Dekor bekommen, wird er sogar noch ein drittes Mal gebrannt oder bei besonders aufwendigen Bemalungen (z.B. mit Goldverzierungen) noch öfter.

Weitere Infos in Verband der Keramischen Industrie e.V. (Hg.): 100 Fragen zu Porzellan. Warum? Weshalb? Wieso?, Selb 2013.

Foto Rohmaterialien: (c) Manufaktur Fürstenberg
Foto Trocknung: (c) HAUM

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