How to impress … mit Gueridons beim Möbelhaus-Bummel

Unser Kunst-Wissen ist nicht alltagstauglich? Von wegen. Warten Sie ab, bis Sie das nächste Mal durch ein Möbelhaus schlendern. Zum Beispiel das allseits bekannte blau-gelbe Einrichtungshaus aus dem hohen Norden. Sie hängen bei der Präsentation von Couch- und Beistelltischen mit so klangvollen Namen wie „Klingsbo“, „Lindved“ oder „Hatten“ gerade kopfüber in einem Wühlkorb mit „Plastis“-Spülbürsten, als eine Dame in Ihrem Rücken seufzend zu ihrem Begleiter sagt: „Ach, sehnst Du Dich nicht auch manchmal zurück nach den Zeiten, in denen Gueridons (ausgesprochen: Gehridon, mit Betonung auf der letzten Silbe) noch als exquisite Wohn-Accessoires in Handarbeit aus kostbaren Ausgangsmaterialien gefertigt wurden?“ Als Kenner der Kunstwerke des Herzog Anton Ulrich-Museums wissen Sie natürlich…

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How to impress: Statt Selfie

Wer kennt es nicht? Es ist Urlaubszeit, man sitzt nichts ahnend vor dem Computer und checkt seinen Status auf Facebook und wird konfrontiert mit Familienselfies aus dem Sommerurlaub von Freunden und Verwandten. Sie teilen ihre mit dem Smartphone geknipsten Bilder von sich und den lieben Kleinen vor Strand-, Wald- oder Bergkulisse mit der Welt. Wenn Sie das nächste Mal eines dieser Zeugnisse familiärer Einigkeit sehen, kommentieren Sie doch das Bild mit einer kleinen Anekdote über die Verbreitung von Familienbildern in vor-fotografischer Zeit! Vor über 200 Jahren war es nicht so einfach Bilder seiner Familie mit Freunden und Bekannten zu teilen. Um ein Bild seiner Familie zu erzeugen, konnte man nicht…

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Best of Olymp: Leg dich nicht mit Apoll an!

Die folgende Geschichte in unserer Rubrik „Best of Bible, Olymp und Co.“ zeigt, dass es nicht ratsam ist, sich mit Apoll, dem Gott der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs anzulegen: Marsyas, als Sartyr halbgottähnliches Wesen mit Eselsbeinen und einem menschlichen Oberkörper im Gefolge der Göttin Kybele, musste das am eigenen Leib erfahren. Wie verschiedene antike Erzähler zu berichten wissen, führte eine Verkettung unglücklicher Umstände und die Tatsache, dass Apoll cleverer war, dazu, dass Marsyas als vielleicht der tragischste aller Verlierer in die antike Geschichte einging. Aber von Beginn an: Wie so oft steht am Beginn einer tragischen Geschichte ein weibliches Geschöpf – hier Athene, die sich mit einer selbst…

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Museum Backstage: Aschenputtel, oder: Was machen die die ganze Zeit? (Restaurierungs-Geschichten, Nr. 1)

Heute geben wir in unserem Blick hinter die Kulissen die Antwort auf eine Frage, die uns oft gestellt wird, wenn wir von der langen Sanierung unseres Museums erzählen: Was macht Ihr eigentlich die ganze Zeit? Tja. Was machen wir die ganze Zeit. Urlaub? Nein. Schönheitsschlaf à la Dornröschen? Nein. Aschenputtel beim Sortieren der Erbsen und Linsen helfen? Auch nicht. Wobei wir uns mit dem Aschenputtel noch am ehesten identifizieren können. Ein geschlossenes Museum führt für die Öffentlichkeit eine ähnliche Schattenexistenz wie das Aschenputtel nach der Heirat ihres Vaters mit der bösen Stiefmutter. Auch wenn es von außen niemand sieht: Das Aschenputtel ist ziemlich beschäftigt damit, den Haushalt zu schmeißen. Zoomen…

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Museums-Wiki: Farblithografie

Begriff: Der Begriff Lithografie stammt aus dem Griechischen und besteht aus zwei Wortteilen, zum einen „lithos“ griechisch für Stein und „graphein“ griechisch für schreiben. Geschichte: Die Lithografie gehört zu den „jüngeren“ Drucktechniken, obwohl auch sie bereits über 200 Jahre alt ist. Aloys Senefelder hat sie im späten 18. Jahrhundert (um genau zu sein 1798) „erfunden“. Natürlich kann man bei Techniken schlecht von „erfinden“ reden, da es natürlich immer wieder Experimente mit dem Flachdruck gab und die Entwicklung zumeist ein fließender Prozess ist. Senefelder unternahm von Beginn an Versuche, die Lithografien, die ursprünglich schwarz und weiß waren, auch als farbige Abdrucke zu ermöglichen. Technik: Lithografie ist ein Flachdruck-Verfahren. Anders als zum…

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How to impress… als echter Held

Sie wollten schon immer ein Held werden? Heute können Sie von dem echten antiken Held Marcus Curtius lernen, wie man es anstellt, dass die Heimatstadt sich ewig an Sie erinnern wird: Suchen Sie ein Erdloch in oder nahe einer Stadt. Je breiter und tiefer, desto besser. Ein paar Flammen, die daraus emporzüngeln sind kein Muss, steigern aber die Dramatik. Nun nehmen Sie ein blindes, taubes und überhaupt wenig sensibles Pferd, schwingen sich auf dessen Rücken, und reiten in vollem Galopp in dieses Erdloch hinein. Dabei schreien Sie sich die Seele aus dem Leib: „Für ….. und jeden, der darin lebt!“ Bei den Pünktchen ist der Name der Stadt einzusetzen, in…

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Museum Backstage: Eine klebrige Angelegenheit

Die Vorbereitungen für die Neueröffnung des Herzog Anton Ulrich Museums laufen auf Hochtouren. Erst vor ein paar Tagen ist ein an das Museum für Lackkunst in Münster ausgeliehenes Objekt wieder in der Lack- und Möbelrestaurierung eingetroffen, das nun auf seinen Platz in der neuen Dauerausstellung wartet. Es handelt es sich um einen seltenen weißen Kabinettschrank des belgischen Künstlers Gérard Dagly (1660 bis 1715). Dagly arbeitete am preußischen Hof in Berlin und war einer der besten Lackkünstler seiner Zeit, der sich mit seinen Imitationen ostasiatischer Motive einen Namen machte. Um den Schrank wieder in voller Pracht erstrahlen zu lassen, hatten die Restauratoren der Lack- und Möbelrestaurierung alle Hände voll zu tun….

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Best of Bible: Kunstraub mit Folgen

Für Belsazar, Sohn des Nebukadnezar und Kronprinz von Babylonien, hat die Tat seines Vaters drastische Folgen – denn dass Kunstraub auch schon in vorchristlicher Zeit kein Kavaliersdelikt war, musste er am eigenen Leib erfahren. Nebukadnezar, seiner Zeit König von Babylonien, stahl aus dem Tempel von Jerusalem wertvolle Becher, Teller und Bestecke, die seine heimische Tafel aufwerten sollten. Über Jahre hinweg blieb das teure Tafelgeschirr im Besitz Nebukadnezars und seiner Familie. Aber das Schicksal, oder im besonderen Fall Gott, schläft nie und wappnet sich zur Bestrafung – just in dem Moment als der Kronprinz Belsazar bei einem ausladenden Mahl mit Freunden, Familie und Hofstaat sitzt und mit einem beherzten Schluck aus…

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How to impress… mit Kandinsky in der Konzertpause

Heute widmen wir uns in der Kategorie „How to impress“ einem Feld, mit dem Sie wirklich in die Tiefen des „Art-Talk“ eintauchen: der klassischen Moderne, speziell der abstrakten Kunst! Die Meisterdisziplin für den Art-Talk – im richtigen Rahmen können Sie hier garantiert mit einem gekonnt platzierten Spruch punkten und werden auf beeindruckte Zuhörer treffen – aber Vorsicht: Nachfragen möglicher „Mitwisser“ sind hier doch recht wahrscheinlich, dann ist ihre Schlagfertigkeit gefragt. Die Werke des russischen Künstlers Wassily Kandinskys bieten sich hierfür sehr gut an. Beispielsweise könnten Sie in einer Pause beim Konzertbesuch den Small-Talk beim Gläschen Sekt (15 min. können schon sehr lang werden) mit einem Spruch zur Bildenden Kunst auf…

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Museum Backstage: Mut zur Farbe

Eins ist sicher: Wenn wir unser Museum im Herbst 2016 neu eröffnen, machen wir die Welt bunter. Purpur, Himmelblau, Zitronengelb oder Lindgrün – die Wände unserer neuen Ausstellungsräume erstrahlen in allen Farben des Regenbogens. Auf sechs verschiedene Farben bringt es die Gemäldegalerie, die Ausstellungsetage im 2. Obergeschoss präsentiert sich gar in zwölf unterschiedlichen Farbgewändern. Weiße Wände finden sich bei uns noch nicht einmal in Treppenhäusern oder Servicebereichen, denn auch hier erhält die Architektur eine zarte Gliederung in Creme- und Steintönen und erscheint wieder so, wie sie im 19. Jahrhundert ursprünglich konzipiert worden war. Warum ein solcher Farbenrausch? Kann die Kunst das vertragen? Oh ja. Sie kann es nicht nur vertragen,…

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