Matthäus Schwarz war wohl von Anfang an kein Kind von Traurigkeit. Dabei war es sicher auch nicht gerade hilfreich, dass er 1504, im Alter von 7 Jahren, kurzzeitig im Dienst des kaiserliche Hofnarren Kunz von der Rosen stand. Offenbar blieb es nicht bei kleinen Unhöflichkeiten, denn schon im folgenden Jahr sahen sich die entnervten Eltern gezwungen, den „besen strick“ (den bösen Kerl) zur Erziehung aufs Land zu schicken. Nach einem knappen Jahr hatte der 9-jährige Matthäus genug von seinem strengen Erzieher: Er lief davon und schlug sich als Sänger und Kuhhirte bis nach Augsburg durch.

klaidungsbuechlin I, 7; „Im Mai und Juni 1506 lief ich meinem Pfarrer in Heidenheim weg … Er schlug mich zu hart. Ich sang für Brot … und feilschte mit den Hirtenjungen ums Kühe hüten.

Nach Schulbesuch und Lehrzeit bei seinem Vater begann sich Matthäus aber auch für anderes zu interessieren und bezeichnet sich selbst als „gassenbuler“. In einer Gruppe gut situierter junger Männer machte er die Straßen Augsburgs unsicher und hatte wohl auch erste Liebschaften. Im Februar 1520 schreibt er: „da stach mich der narr mit eyner niderlendischen jungkfrau“ und 1529 endete ein weiteres Verhältnis zu einer anonymen jungen Frau. Im klaidungsbuechlin kommentiert Matthäus dies unter dem Fenster der einst angebeteten mit den Worten „ist nix mer“.

klaidungsbuechlin I, 15; „Im Sommer 1512 war ich ein Gassenbuhler, blieb aber keusch. Das Wams war aus Atlas, die Hosen mit Zindel. Ich fing an, mich mit Freunden zu treffen.“

Matthäus scheint sich als Junggeselle ziemlich wohl gefühlt zu haben, denn mit 40 Jahren – damals schon ein stattliches Alter – war er noch immer unverheiratet. Dies änderte sich schließlich mit der Hochzeit im Jahr 1538. Ob Matthäus sich in seine Braut Barbara Mangold verliebt hatte, oder ob es eine Ehe aus gesellschaftlichen Gründen war wissen wir nicht. In jedem Fall nahm der inzwischen 41-jährige erfolgreiche Geschäftsmann seine Ehe ernst. Im entsprechenden Bild des klaidungsbuechlins wendet er sich nicht nur vom Betrachter, sondern auch von seinem „Bubenleben“, seinen wilden Jahren, ab und verbrannte das Tagebuch dieser Jahre.

klaidungsbuechlin I, 113 + 114, links: „Im Jahr 1538 habe ich »Der Welt Lauf«, also das Tagebuch meines Junggesellenlebens, weggeworfen.“

Titelbild: klaidungsbuechlin I, 42; „Am 20. Februar 1520 stach mich der Narr mit einer niederländischen Jungfrau … Danach in dieser Kleidung.“

Teile diesen Beitrag