Das Braunschweiger Stadtleben

Die wichtigste Quelle für Max Beckmanns Braunschweiger Streifzüge bildet heute sein erstes Skizzenbuch (National Gallery of Art, Washington), das die Jahre 1899 und 1900 umfasst. Darin hielt er seine Beobachtungen aus Stadt und Land lebhaft fest. Mit Bleistift, teilweise auch koloriert, sind darin Skizzen von Stadtbewohnern, meist in Gasthäusern, Cafés oder an öffentlichen Plätzen zu sehen. Dabei erhielt nahezu jede Zeichnung akribisch Datum und Ortsbezeichnung. So können wir heute nachvollziehen, wohin es den jungen Beckmann in seiner Braunschweiger Zeit verschlug, was ihn interessierte und welche Orte er besonders gern besuchte. Ob eine rastende Frau am Theater, ein Lastenträger auf dem Kohlmarkt oder feine Damen im Café Lück, das sich an der Theaterpromenade unweit seines Zuhauses im Sandweg (heute Magnitorwall) befand: Beckmann interessierte jede Gesellschaftsschicht.

Doch auch Braunschweigs Kunst lieferte Anregungen für einige Skizzen. Von den Besuchen im Herzog Anton Ulrich-Museum zeugt seine lebenslange Bewunderung für Rembrandts Braunschweiger Familienbild. Zudem ließ er sich von Denkmälern und Skulpturen der Stadt inspirieren. So spazierte er am 22. März 1900 zu dem damals noch am Stadtrand gelegenen Hauptfriedhof. Dort skizzierte er die Füße der Grabmalfigur des Braunschweiger Unternehmers Hugo Luther, welche sich noch heute dort befindet. Wandeln Sie also bei Gelegenheit einmal auf Beckmanns Spuren und besuchen sie die Orte, die den jungen Künstler inspirierten!

Die Kapelle des Hauptfriedhofs, Braunschweig

Beobachtungen in Riddagshausen

Anstatt zur Schule zu gehen, entdeckte der junge Beckmann nicht nur Braunschweigs Innenstadt, sondern auch die weitere Umgebung. Das Gebiet um Riddagshausen – schon damals ein beliebter Naherholungsort – hatte es ihm besonders angetan. Er besuchte häufig belebte Gasthäuser wie den Herrenkrug oder den Grünen Jäger. Eine der bekanntesten Skizzen seiner Riddagshäuser Studien zeigt das Torhaus der Klosterkirche. Der Klostereingang ist heute noch genauso, wie der Künstler ihn am 21. März 1900 festhielt.

Torhaus der Klosterkirche in Riddagshausen

Raus in die Natur – eine Riddagshäuser Landschaft im April

Doch wie passt hier unsere neu erworbene Ölskizze „Landschaft mit See“ ins Bild? Anhand der Skizzenbucheinträge lässt sich nachverfolgen, dass sich Beckmann kurz vor und nach dem 6. April 1900, an dem die Ölskizze entstand, in der nahen Umgebung aufgehalten hatte. Unmittelbar um den besagten Apriltag finden sich im Skizzenbuch aber keine zeichnerischen Einträge. Wie auch? Der junge Künstler beschäftigte sich ja mit der Ölmalerei!

Beckmann Aktionswoche im April

Die Ölskizze „Landschaft mit See“, die das Herzog Anton Ulrich-Museum Ende letzten Jahres erworben hat, wird der Öffentlichkeit nun erstmals in einer Aktioswoche vom 6. – 14. April in der Gemäldegalerie gezeigt. Begleitet wird die Präsentation von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Führungen und Vorträgen.

*Aus bildrechtlichen Gründen können wir Ihnen leider keine Abbildung des neuerworbenen Beckmanns „Landschaft mit See“ präsentieren.


Titelbild: Herzogliches Museum, Fotografie um 1900

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