Berühmt berüchtigt

Matthäus Schwarz wurde am 20. Februar 1497 in eine bekannte Augsburger Familie geboren. Der Name Schwarz war zu diesem Zeitpunkt aber wohl nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt. Am 14. April 1478, also nicht einmal 9 Jahre vor Matthäus´ Geburt wurde sein Großvater Ulrich in Augsburg gehängt. Dieser Ulrich „der Ältere“ hatte als Bürgermeister versucht die Machtverhältnisse in Augsburg zugunsten der Handwerkerzünfte zu verschieben. Damit hatte er die Patrizier, den städtischen Adel, gegen sich aufgebracht und die Rache für seine Aktivitäten war das Todesurteil von 1478. Das klingt nach nicht gerade idealen Voraussetzungen für eine Karriere in der Reichsstadt.

Hans Holbein d. Ä., Votivbild des Ulrich Schwarz: Christus und Maria als Fürbitter vor Gottvater, um 1508, Nadelholz , Augsburg, Staatsgalerie (Katharinenkirche) Saal 2; © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, CC BY-SA 4.0

Bereits Ulrich der Jüngere, Matthäus´ Vater war jedoch ein erfolgreicher Kaufmann, der seinem Sohn eine beinahe zweijährige Ausbildung in Italien finanzieren konnte. Als Sinnbild für den Neubeginn der Familie kann das große Votivbild dienen, dass Ulrich bei keinem geringeren als Hans Holbein d.Ä. in Auftrag gab. Es zeigt den wohlhabenden Weinhändler im Kreis seiner großen Familie, darunter auch Matthäus. Dieses Gemälde steht daher auch am Beginn der aktuellen Ausstellung.

Kleider machen Leute

Wie das klaidungsbuechlin eindrucksvoll belegt hatte auch Matthäus einen ausgeprägten Sinn für Repräsentation und Außenwirkung. Schon in jungen Jahren ließ er für sich aufwändige Kostüme schneidern, die seine Weltläufigkeit und seinen Geschmack unter Beweis stellten. Mit der Verwendung kostbarer Materialien präsentierte Matthäus sich aber auch deutlich sichtbar als erfolgreicher, wohlhabender Geschäftsmann und setzte dieses Bild wohl auch bewusst zur Eigenwerbung ein.

klaidungsbuechlin I, 31

Der Aufstieg

Der nicht nur erfolgreiche, sondern auch „vorzeigbare“ Hauptbuchhalter der Fugger spielte so auch eine Rolle im Jet-set seiner Zeit. Als Gast nahm er an Hochzeiten des Augsburger Patriziats ebenso teil, wie an der des künftigen Kaisers Ferdinand I. So wurde aus seiner beruflichen Karriere auch ein soziale und gesellschaftliche. Im Jahr 1541 erhob ihn Kaiser Karl V. in den Adelsstand.

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Titelbild: klaidungsbuechlin I, 0a

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