Im Jahr 1514 begann ein junger Kaufmann aus Augsburg damit, ein ungewöhnliches Tagebuch anzulegen. Er beschloss, fortan die kostbaren, zuweilen extravaganten Kleidungsstücke zu dokumentieren, die er für sich fertigen ließ. Der Name dieses jungen Mannes war Matthäus Schwarz; und er sollte das Projekt seines klaidungsbuechlins für die nächsten 46 Jahre seines Lebens weiterverfolgen.

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1514 war Matthäus gerade 17 Jahre alt und arbeitete im Weinhandel seines Vaters. Auf Reisen nach München und an den Bodensee hatte er bereits Süddeutschland kennengelernt. Aber er wollte mehr sehen und schreibt: „Meyne sinn stonden mir in fremde land.“ Noch im selben Jahr 1514 sollte dieser Wunsch wahr werden. Im Oktober trat Matthäus die lange Reise nach Italien an. Zur weiteren kaufmännischen Ausbildung blieb er bis Juni 1516 in Mailand. Er reiste dann über Genua nach Venedig weiter, ehe er im September dieses Jahres wieder nach Augsburg zurückkehrte. In Italien hatte er neben der modernen doppelten Buchführung auch neue Moden kennengelernt und sich entsprechende Kleidungsstücke anfertigen lassen. Offenbar konnte sich also auch der junge „Azubi“ schon einiges leisten, denn die italienischen Kostüme waren häufig mit teurem Samt und Seide verziert.

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Schon kurz nach seiner Rückkehr aus Italien begann Matthäus Schwarz für den bedeutendsten Handelsherrn Augsburgs, den damals 57-jährigen Jakob Fugger zu arbeiten. Offenbar zunächst auf Probe, denn erst im Oktober 1517 nahm ihn Jakob Fugger offiziell unter Vertrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der der Großkaufmann bereits von den Fähigkeiten seines Angestellten überzeugt und Matthäus erlangte als Hauptbuchhalter der Fugger rasch eine herausgehobene Stellung im Unternehmen. Seine weitere Karriere sollte ihm schließlich sogar die Erhebung in den Adelsstand einbringen.


Dressed for Success. Matthäus Schwarz – Ein Modetagebuch des 16. Jahrhunderts“ – vom 8.5. – 4.8.2019 im Herzog Anton Ulrich-Museum
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Titelbild: klaidungsbuechlin I, 25

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