Die folgende Geschichte in unserer Rubrik „Best of Bible, Olymp und Co.“ zeigt, dass es nicht ratsam ist, sich mit Apoll, dem Gott der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs anzulegen: Marsyas, als Sartyr halbgottähnliches Wesen mit Eselsbeinen und einem menschlichen Oberkörper im Gefolge der Göttin Kybele, musste das am eigenen Leib erfahren.
Wie verschiedene antike Erzähler zu berichten wissen, führte eine Verkettung unglücklicher Umstände und die Tatsache, dass Apoll cleverer war, dazu, dass Marsyas als vielleicht der tragischste aller Verlierer in die antike Geschichte einging. Aber von Beginn an:

Wie so oft steht am Beginn einer tragischen Geschichte ein weibliches Geschöpf – hier Athene, die sich mit einer selbst erfundenen Flöte und einer Melodie an die Enthauptung der Medusa erinnert. Athene, eine sehr leicht zu kränkende und auch eitle Persönlichkeit, beobachtete sich im Wasser beim Spiel der sogenannten Doppelflöte (auch Aulos genannt) und sah, dass sie unglaublich hässlich dabei aussah. Aus Frust warf die die Flöte von sich, quasi direkt dem Sartyr Marsyas vor die Füße.
Dieser wiederum erlernte das Spiel der Flöte und war von seinem Können so überzeugt, dass er Apoll, den Gott der Musik, des Gesangs und der Dichtkunst zum musikalischen Duell herausforderte. Als Schiedsgericht konnten die Musen gewonnen werden – frei nach dem Motto „Olymp sucht seinen Superstar“ nahm der Wettbewerb seinen Lauf.
Zunächst konnte Marsyas die Stimmen der Jury für sich gewinnen, als jedoch Apoll sein Spiel noch mit Gesang erweiterte, war der Wettstreit entschieden: Marsyas unterlag Apoll und wie das in antiken mythologischen Sagen oft der Fall ist, nahm die Geschichte damit ein blutiges Ende. Apoll hängte Marsyas zur Strafe an einem Baum auf und zog ihm bei lebendigem Leib die Haut ab. Aber der Satyr starb nicht umsonst – aus seinem Blut entsprang der gleichnamige Fluss „Marsyas“ im heutigen südwestlichen Teil der Türkei.

Was lehrt uns diese Geschichte:
Erstens: Künstlerischen Wettstreit à la „DSDS“ oder „Popstars“ gab es schon in der antiken Mythologie weit vor unserer Zeit.
Zweitens: Wir können froh sein, dass wir im 21. Jahrhundert leben und als Verlierer lediglich den Raum verlassen müssen und als schlimmste Konsequenz vielleicht den Traum vom Ruhm begraben müssen.
Drittens: Man sollte sich genau überlegen, wen man zu einem Duell herausfordert, vor allem in der antiken Mythologie triumphieren die Götter regelmäßig über die halb tierischen Wesen.

In der Bildenden Kunst wurde vor allem die Szene der Häutung des Marsyas in der Renaissance dargestellt. Neben Tizian und Jusepe de Ribera stellten auch Barockkünstler im 17. und 18. Jahrhundert das Thema dar. Der Bildhauer Balthasar Permoser arbeitete im 17. Jahrhundert in Italien und bannte die Häutung des Satyr in ein bewegendes Elfenbeinrelief (siehe Abbildung, geschaffen zwischen 1675 und 1680).

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