Gold und Reichtum regiert die Welt – das dachte sich wahrscheinlich König Midas, als er gegenüber Dionysos den Wunsch äußerte, alles was er berühre solle sich in Gold verwandeln. Und auch heute würden ihm Bill Gates, Carlos Slim Helu und Warren Buffet, die Anführer der bekannten Forbes Liste der reichsten Menschen der Welt 2015 wohl im ersten Moment recht geben, hätten vielleicht aber den Tipp gegeben, den Wunsch ein bißchen präziser zu formulieren …

Wie Ovid in seinen Metamorphosen berichtet, nahm das Geschehen folgendermaßen seinen Lauf:
König Midas, König der Phrygier und Gründer der heutigen Stadt Ankara, hatte eindeutig eine Schwäche für Metalle: Er soll das weiße und schwarze Blei erfunden haben, ist aber vor allem wegen seiner Obession für ein anderes Edelmetall bekannt – Gold.
Dionysos, Gott des Weines und der Vegetation, war mit seinem Gefolge auf einer Expedition nach Indien. Seilenos, ein Mitglied seines Gefolges (ein älterer Silen, der sich von den bekannten Satyrn nur dadurch unterschied, dass er älter, weiser und noch trinkfreudiger war), wurde jedoch von phrygischen Bauern gefangen genommen. Die Bauern präsentierten ihren Fang König Midas, der Seilenos wohlwollend aufnahm und anschließend mit einem kundigen Führer zurück zu Dionysos schickte. Der dankbare Dionysos war über die wohlbehaltene Rückkehr des Seilenos so glücklich, dass er Midas zusicherte, ihm jeden Wunsch zu erfüllen.
Midas mit seiner Schwäche für Gold wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold werde – Dionysos stimmte widerwillig zu. König Midas war anfangs richtig begeistert von seiner neuen Gabe – bis er versuchte, etwas zu essen und zu trinken. Betonung auf: versuchte.  Denn sobald er ein Nahrungsmittel berührte, verwandelte es sich in das nicht essbare Edelmetall.
Bald schon, geplagt von Hunger- und Durstattacken, suchte Midas Dionysos auf und bat ihn, die Gabe rückgängig zu machen. Dionysos erteilte ihm eine Absage, gab ihm aber immerhin den Tipp, doch einmal zu versuchen, seine Hände im Fluss Paktolos zu waschen. In seiner Verzweiflung klammerte sich Midas an jeden Strohhalm und wusch seine Hände im Fluss. Und tatsächlich: Seine Gabe, alles durch eine Berührung in Gold zu verwandeln, übertrug sich auf den Fluss. Der führte, wie Ovid zu berichten weiß, ab diesem Zeitpunkt goldhaltigen Sand.

Und die Moral von der Geschicht: Glücklich macht auch Reichtum nicht.

Abbildung: Frans Francken d.J., König Midas bei Tische, etwa um 1615 entstanden, Foto: HAUM.

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