Unser Museumsnamensgeber Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg (1633-1714) war ein Freund von schönen Dingen und sammelte leidenschaftlich gerne Kunst. Ihm haben wir im Wesentlichen auch unsere umfangreiche Majolika-Sammlung zu verdanken, die etwa 850 Objekte umfasst. Bei der Wiedereröffnung im Herbst 2016 werden die bedeutendsten Stücke ihren Platz in der neuen Dauerausstellung finden. Doch was ist eine Majolika eigentlich? Hier kommen die wichtigsten Fakten der Keramikgattung, die in jede gut sortierte fürstliche Sammlung gehörte.

Begriff: Die Bezeichnung Majolika entstammt dem altitalienischen Namen für die Baleareninsel Majorca (Mallorca). Ab dem 13. Jahrhundert wurden dort einst Fayencen gefertigt und nach Italien exportiert. Mit Majolika ist zinnglasierte Keramik gemeint, die speziell im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts hergestellt wurde.

Geschichte: Die Anfänge der Majolika-Produktion begannen mit Importen aus dem islamisch geprägten Spanien, die bereits im 8. Jahrhundert nach Italien gelangten. Ab dem 14. Jahrhundert setzten sich mehrere italienische Städte, wie Urbino, Gubbio, Siena und Faenza, mit einer eigenen Majolika-Produktion durch. Von dort aus wurden Majoliken dann auch nach Frankreich und in andere europäische Länder exportiert. In den Anfängen wurde gerne orientalisches Ornament oder Grotesken als Verzierung von Majoliken verwendet, jedoch entwickelte sich im späteren Verlauf eine Tendenz zu szenischen Darstellungen aus der Bibel oder antiken Mythologie. Gerne wurde hier auch auf Vorlagen bedeutender Künstler zurückgegriffen. Das Herzog Anton Ulrich-Museum verfügt beispielsweise über 44 Gefäße, die nach Entwürfen Raphaels bemalt worden sind.
Die Blütezeit der Majolika-Produktion endete gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Doch noch bis heute wird sich an einigen wenigen Orte der Majolika-Produktion gewidmet – u.a. in Faenza und Hanau.

Technik: Die Keramikgattung Majolika gehört zur niedriggebrannten Irdenware. Der Scherben ist von einer porösen Beschaffenheit und wasseraufnahmefähig. Nach einem ersten Brandvorgang wird die Keramik mit einer weißen Zinnglasurschicht überzogen und anschließend werden die Majolikafarben auf die ungebrannte Glasur aufgetragen (Inglasurmalerei). Die Besonderheit der Inglasurmalerei besteht darin, dass die Farben im nachfolgenden Glasurbrand in die Glasur einsinken. Dadurch entsteht die besonders weiche Zeichnung der künstlerischen Darstellung. Außerdem ist farbprächtige Leuchtkraft sehr charakteristisch: Die typischen Inglasurfarben für Majoliken sind Blau, Orange oder Ockergelb, Grün oder Violett.

 

Abbildung: Virgilio Calamelli (Werkstatt): Königstochter Psyche wird dank ihrer Schönheit verehrt, Faenza um 1550

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